In einer neuen Übersichtsarbeit in Science verbindet die Neurowissenschaftlerin Maiken Nedergaard Schlaf, die nächtliche Reinigung des Gehirns und das Risiko für Demenz. Sie schlägt vor, dass verschiedene Erkrankungen und Belastungen — darunter chronischer Stress, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, fragmentierter Schlaf und Alter — konvergieren, weil sie einen schlafabhängigen Gehirnrhythmus stören, der die Reinigung unterstützt.
Nedergaards Labor entdeckte 2012 das glymphatische System, ein gehirnweites Netzwerk, das Liquor entlang des Gewebes um Blutgefäße bewegt, um metabolische Abfälle zu entfernen. Im Non-REM-Schlaf werden Neuromodulatorsysteme und andere Prozesse in langsame, wiederkehrende Oszillationen synchronisiert, die etwa alle Minute auftreten und mit Änderungen der Gehirnaktivität, Herzfrequenz, Atmung, Gefäßbewegungen und dem Liquorfluss einhergehen. Langsame Gefäßbewegungen (Vasomotion), die unabhängig von der Herzpumpfunktion sind, helfen dabei, Liquor durch das Gehirn zu treiben und Abfallprodukte wie Amyloid-beta und Tau zu entfernen.
Nedergaard argumentiert, dass die Störung dieser Rhythmen durch Alterung, Stress, psychiatrische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schlechten Schlaf oder bestimmte Medikamente die Effizienz der Proteinbeseitigung verringert. Der Artikel nennt die Herzfrequenzvariabilität als möglichen nichtinvasiven Biomarker und weist darauf hin, dass solche Messungen, die bereits von Consumer-Wearables verfolgt werden, dabei helfen könnten, Menschen mit erhöhtem Risiko für kognitiven Abbau zu identifizieren. Quelle: University of Rochester.
- Wichtige Neuromodulatoren: Noradrenalin, Serotonin, Dopamin, Acetylcholin
Schwierige Wörter
- übersichtsarbeit — wissenschaftlicher Artikel, der mehrere Studien zusammenfasst
- glymphatisch — das Gehirn betreffende Flüssigkeitsbewegung und Reinigungsnetzwerkglymphatische
- liquor — die klare Flüssigkeit, die das Gehirn umgibt
- Non-REM-Schlaf — Schlafphase ohne schnelle Augenbewegungen und Träume
- vasomotion — langsame, automatische Bewegungen der Gefäßwände
- herzfrequenzvariabilität — Schwankungen der Herzfrequenz über die Zeit
- neuromodulator — chemischer Botenstoff, der Gehirnaktivität beeinflusstNeuromodulatoren
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie könnten Wearables laut Text helfen, Menschen mit erhöhtem Risiko für kognitiven Abbau zu identifizieren?
- Welche im Artikel genannten Faktoren können den schlafabhängigen Gehirnrhythmus stören? Nennen Sie mindestens drei.
- Welche einfachen Maßnahmen oder Veränderungen im Alltag könnten Ihrer Meinung nach helfen, die nächtliche Reinigung des Gehirns zu unterstützen? Begründen Sie kurz.
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