Die Studie der Tulane University wurde in JAMA Network Open veröffentlicht. Sie nutzte elektronische Krankenakten aus drei Krankenhäusern desselben Gesundheitssystems in New Orleans und wertete 15 Jahre Daten ab 2011 aus. Untersucht wurden 1.469 Erwachsene mit Syphilis und 7.345 Personen ohne Syphilis; Menschen mit bereits vorhandenen Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen wurden ausgeschlossen.
Nach statistischer Anpassung berichteten die Autoren erhöhte Risiken für mehrere schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei Personen mit Syphilis. Dazu gehörten ein etwa doppelt so hohes Risiko für Aortenaneurysma oder Dissektion sowie erhöhte Risiken für ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfall, Herzinfarkt und periphere Arterienerkrankung. Auch das Sterberisiko war deutlich erhöht. Der Anstieg trat vor allem bei Patientinnen und Patienten auf, deren Infektion länger als ein Jahr fortschritt. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich für Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern.
Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine retrospektive Studie handelt, die eine Assoziation, aber keine Kausalität zeigt. Sie nennen weitere Forschung nötig, um zu klären, ob Behandlung langfristige kardiovaskuläre Risiken reduziert. Daten der CDC zeigen zudem einen Anstieg der Syphilisfälle in den USA in den letzten Jahren.
Schwierige Wörter
- krankenakte — schriftliche oder elektronische Aufzeichnung der PatientendatenKrankenakten
- retrospektiv — auf früheren Daten und Ereignissen basierendretrospektive
- assoziation — ein Zusammenhang zwischen zwei Beobachtungen
- kausalität — direkte Ursache-Wirkung zwischen zwei Ereignissen
- sterberisiko — Wahrscheinlichkeit, dass eine Person stirbt
- kardiovaskulär — das Herz und die Blutgefäße betreffendkardiovaskuläre
- aortenaneurysma — krankhafte Ausbuchtung in der Hauptschlagader
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Warum ist es wichtig zu wissen, ob die Behandlung langfristige kardiovaskuläre Risiken reduziert?
- Welche Folgen könnte der Anstieg der Syphilisfälle in den USA für die Gesundheitsversorgung haben?
- Welche Art von weiterer Forschung würde helfen, die Ergebnisse dieser retrospektiven Studie zu prüfen?
Verwandte Artikel
Zelltransplantation verbessert Herzfunktion nach Rückenmarksverletzung
Forscher transplantierten unreife Nervenzellen in ein Rattenmodell mit Rückenmarksverletzung. Die Tiere zeigten stabileren Ruheblutdruck und niedrigere Herzfrequenz, doch hormonelle Ausgleichsreaktionen blieben bestehen. Weitere Arbeit soll dauerhafte Vorteile sichern.
Gentherapie gegen Sichelzellenanämie: Hoffnung, aber hohe Kosten
Viele Babys in Afrika werden mit Sichelzellenanämie geboren. Uganda führt seit dem 9. Februar ein verpflichtendes Neugeborenen-Screening ein. Neue Gentherapien in reichen Ländern sind teuer und für Afrika kaum erreichbar.
Veterinärversorgung hilft obdachlosen jungen Menschen zur Gesundheitsversorgung
Eine Studie zur One Health Clinic in Seattle zeigt: Wenn Kliniken auch Tierpflege anbieten, erhalten junge obdachlose Menschen häufiger medizinische Versorgung für sich. Viele suchten zuerst nur Hilfe für ihre Haustiere, bekamen dann aber selbst Care.
Rezession 2008 veränderte Klassenidentität in den USA
Neue Forschung zeigt: Die Rezession 2008 brachte viele Amerikaner dazu, sich einer niedrigeren sozialen Klasse zuzuordnen. Eine Studie, geleitet von Stephen Antonoplis, nutzte vier Datensätze mit rund 165.000 Menschen über Jahrzehnte.
Antibiotikum hilft nicht gegen Wheezing bei Kleinkindern
Eine Phase‑3‑Studie zeigt: Das Antibiotikum Azithromycin verbessert Wheezing bei vorschulpflichtigen Kindern in der Notaufnahme nicht. Viele Kinder hatten Viren oder potenziell schädliche Bakterien, und die Studie wurde vorzeitig beendet.