Eine Studie von Forschenden um Noreen von Cramon-Taubadel (University at Buffalo) geht der Frage nach, ob das menschliche Kinn eine direkte Anpassung oder ein zufälliges Nebenprodukt der Evolution ist. Die Ergebnisse wurden in PLOS One veröffentlicht.
Die Forschenden verglichen kraniale Merkmale von Menschen und Menschenaffen und testeten die Nullhypothese der Neutralität. Sie berichten, dass es Hinweise auf direkte Selektion an Teilen des menschlichen Schädels gibt, doch Merkmale, die speziell die Kinnregion betreffen, besser zum Nebenprodukt-Modell passen.
Von Cramon-Taubadel sagt: „Das Kinn entstand weitgehend zufällig und nicht durch direkte Selektion, sondern als ein evolutionäres Nebenprodukt, das aus direkter Selektion an anderen Teilen des Schädels hervorging.“ Die Autorinnen und Autoren sehen darin eine Herausforderung für eine rein anpassungsorientierte Sicht in der Anthropologie und betonen die Bedeutung der Untersuchung von Merkmalintegration.
Schwierige Wörter
- anpassung — Veränderung, die besseres Überleben ermöglichtanpassungsorientierte
- nebenprodukt — Etwas, das zufällig nebenbei entsteht
- nullhypothese — Anfangsannahme, dass kein Effekt existiert
- neutralität — Zustand ohne gerichtete genetische Veränderung
- selektion — Auswahl von Merkmalen durch natürliche Prozesse
- merkmalintegration — Wechselwirkung zwischen verschiedenen Körpermerkmalen bei Entwicklung
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen hätte es deiner Meinung nach für die Anthropologie, wenn viele menschliche Merkmale Nebenprodukte sind?
- Warum ist die Untersuchung von Merkmalintegration nach Ansicht der Autorinnen und Autoren wichtig?
- Kennt du Beispiele aus dem Alltag, wo etwas zufällig als Nebenprodukt entstanden sein könnte? Erzähle kurz.
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