Forscherteams aus mehreren Fachrichtungen klärten, wie Pferde ihr charakteristisches Wiehern mit zwei unabhängigen Frequenzen erzeugen. Obwohl domestizierte Pferde seit über 4.000 Jahren mit Menschen leben, war ihre vokale Kommunikation bislang wenig verstanden. Besonders rätselhaft war die hohe Komponente, weil größere Säugetiere normalerweise nur tiefere Töne produzieren.
Die Untersuchung kombinierte anatomische Befunde, Tonaufnahmen und Experimente an entfernten Kehlköpfen. Die tiefe Frequenz entsteht durch die Schwingung der Stimmlippen, also durch den bekannten stimmgebenden Mechanismus. Die hohe Komponente ist ein laryngealer Pfeifton: Ein turbulenter Luftstrom im Kehlkopf bildet einen Pfeifton, ähnlich wie bei Nagetieren.
Um das zu beweisen, bliesen die Forschenden Luft durch Kehlköpfe von verstorbenen Pferden und wechselten das Gas zwischen Luft und Helium. Da sich Schall in Helium anders ausbreitet, verschob sich der Pfeifton zu höheren Frequenzen, während die Stimmlippenschwingungen gleich blieben. William Tecumseh Fitch beschreibt die sofort sichtbare Frequenzverschiebung als den Beleg für die Lösung des Rätsels. Romain Lefèvre hebt hervor, dass die Lösung die Verbindung von Veterinärmedizin und akustischer Physik erforderte.
Die Studie erscheint in Current Biology. Sie wurde unterstützt von der Swiss National Science Foundation, dem Austrian Science Fund und dem Institut Universitaire de France. Quelle: University of Copenhagen.
Schwierige Wörter
- frequenz — Anzahl von Schwingungen pro ZeitFrequenzen, Frequenzverschiebung
- stimmlippe — Gewebefalte im Kehlkopf zur TonbildungStimmlippen, Stimmlippenschwingungen
- kehlkopf — Organ im Hals, enthält Stimmlippen und LuftwegeKehlköpfen
- pfeifton — hoher Ton, erzeugt durch schnellen Luftwirbel
- turbulent — mit unregelmäßigem, wirbelndem Fluss von Luft oder Flüssigkeitturbulenter
- helium — ein leichtes, farbloses chemisches Gas
- schwingung — regelmäßige Bewegung um eine Ruhelage
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Bedeutung könnte die Entdeckung des laryngealen Pfeiftons für das Verständnis der Tierkommunikation haben? Nennen Sie mögliche Folgen.
- Glauben Sie, dass ähnliche akustische Mechanismen auch bei anderen großen Säugetieren vorkommen könnten? Begründen Sie Ihre Meinung.
- Welche weiteren Experimente würden Sie vorschlagen, um die Tonerzeugung bei lebenden Tieren zu untersuchen?
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