Schmerzen an Sehnen wie Achillessehnenschmerzen, Tennisarm oder Springerknie betreffen viele Menschen, doch die Mechanismen chronischer Tendinopathien waren bislang nicht vollständig geklärt. Ein Forschungsteam der ETH Zürich unter Jess Snedeker und Katrien De Bock identifizierte nun HIF1 als zentralen molekularen Treiber. Die Forschenden zeigten, dass ein Teil des Proteins HIF1 in Sehnenzellen als Transkriptionsfaktor wirkt und die Genaktivität steuert.
Zur Prüfung der Kausalität kombinierten die Wissenschaftler Experimente an Mäusen mit Untersuchungen an menschlichem Sehnengewebe aus Operationen. Eine dauerhafte Aktivierung von HIF1 löste bei Mäusen Tendinopathie aus, auch ohne Überlastung. Wurde HIF1 ausgeschaltet, verhinderten die Tiere die Erkrankung selbst bei Belastung. Diese Befunde deuten darauf hin, dass erhöhtes HIF1 Tendinopathie auslösen kann.
Auf Gewebeebene führte mehr HIF1 zu einer pathogenen Umgestaltung: Kollagenfasern zeigten vermehrte Vernetzungen, das Gewebe wurde spröde und verlor mechanische Funktion. Gleichzeitig wuchsen Blutgefäße und Nerven in das Gewebe ein, was die mit Tendinopathie verbundenen Schmerzen erklärt. Die Forschenden betonen, dass frühe Behandlung wichtig ist, weil HIF1-vermittelte Schäden sich ansammeln und irreversibel werden können; in fortgeschrittenen Fällen hilft Physiotherapie oft nicht mehr und die einzige aktuelle Option ist die operative Entfernung der erkrankten Sehne.
Die Identifizierung von HIF1 wirft die Frage nach medikamentösen Behandlungen auf. De Bock warnt davor, HIF1 im ganzen Körper zu blockieren, da HIF1 in vielen Organen Niedrigsauerstoff erkennt und so Nebenwirkungen möglich sind. Das Team will daher nach biochemischen Schritten rund um HIF1 und nach weiteren von HIF1 beeinflussten Molekülen suchen, die als sicherere Therapieziele infrage kommen. Die Studie erschien in Science Translational Medicine; Quelle: ETH Zürich.
Schwierige Wörter
- tendinopathie — Schmerzhafte Erkrankung der Sehnen im KörperTendinopathien
- transkriptionsfaktor — Protein, das die Aktivität von Genen steuert
- genaktivität — Wie intensiv ein Gen in Zellen abgelesen wird
- vernetzung — Verbindungen zwischen Fasern oder MolekülenVernetzungen
- spröde — leicht zerbrechlich und ohne Elastizität
- irreversibel — nicht mehr rückgängig oder heilbar
- physiotherapie — Behandlung mit Bewegung und anderen Übungen
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Diskussionsfragen
- Welche Vorteile und Risiken sehen Sie bei einer lokalen statt einer systemischen Hemmung von HIF1? Begründen Sie Ihre Meinung.
- Welche Auswirkungen hat es im Alltag, wenn Sehnengewebe spröde wird und mechanische Funktion verliert?
- Warum ist laut Artikel eine frühe Behandlung wichtig, und welche Probleme entstehen in fortgeschrittenen Fällen?
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