In zwei Fachartikeln berichten Forschende, dass die Zugabe von Weizenfaser Mäuse vor akuten und chronischen Darmentzündungen schützt. Die Arbeiten verbinden Änderungen in der Weizenverarbeitung mit einem möglichen Anstieg entzündlicher Darmerkrankungen.
Darmbakterien bauen die in Vollkorn enthaltene Weizenfaser ab und setzen dabei bioaktive Metaboliten frei, vor allem an die Faser gebundene Polyphenole. Diese Metaboliten programmieren Immunzellen im Darm so um, dass Entzündungen unterdrückt werden. Anders als bei vielen löslichen Ballaststoffen erfolgte der Effekt nicht über eine Zunahme kurzkettiger Fettsäuren.
Die Forschenden vermuten, dass das Entfernen der Kleie bei der Verarbeitung die Zufuhr an Weizenfaser reduziert hat und so zur höheren Prävalenz von IBD beitragen könnte. Sollte sich der Befund auf Menschen übertragen lassen, empfehlen sie vermehrt Vollkornprodukte. Gesundheitsorganisationen empfehlen 25 bis 38 Gramm Ballaststoffe pro Tag, viele Menschen erreichen diesen Wert nicht.
Schwierige Wörter
- weizenfaser — Pflanzenfasern im Korn, vom Körper kaum verdaut
- darmentzündung — Krankheit im unteren Verdauungssystem mit Schmerzen oder DurchfallDarmentzündungen
- darmbakterie — Kleine Mikroorganismen im Verdauungstrakt, die Nahrung abbauenDarmbakterien
- metabolit — Stoff, den Mikroorganismen oder Zellen produzierenMetaboliten
- polyphenol — Pflanzenstoff mit biologischer Wirkung, oft als AntioxidansPolyphenole
- immunzelle — Zelle, die im Körper gegen Krankheitserreger kämpftImmunzellen
- kleie — Äußere Schicht des Korns, oft als Abfallprodukt entfernt
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Würdest du wegen dieser Ergebnisse mehr Vollkornprodukte essen? Warum oder warum nicht?
- Wie könnten Gesundheitsorganisationen Menschen helfen, 25 bis 38 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu erreichen?
- Welche Änderungen in der Lebensmittelverarbeitung würden deiner Meinung nach die Ballaststoffmenge erhöhen?
Verwandte Artikel
Forscher identifizieren Gene bei chronischer Nierenerkrankung
Eine Studie unter Leitung von Alejandro Chade zeigt, wie Gene und Zellsignale bei chronischer Nierenerkrankung (CKD) verändert sind. Ziel ist, neue Behandlungsziele zu finden, um Dialyse oder Transplantation zu verzögern.
Haar zeigt chemische Belastungen über Monate
Neue Forschungen der University of Texas at Austin zeigen, dass menschliches Haar chemische Expositionen über Tage, Wochen und Monate speichern kann. Forschende erhitzen Haarsträhnen und messen die freigesetzten Moleküle mit einem Massenspektrometer.
Gefährliche Chemikalien in Feuerwehrschutzkleidung
Eine Studie unter Leitung von Heather Stapleton zeigt, dass Schutzkleidung von Feuerwehrleuten PFAS und bromierte Flammschutzmittel enthalten kann. Forschende fordern mehr Forschung und mehr Transparenz von Herstellern, damit Einsatzkräfte besser geschützt werden.
Studie: Autoantikörper könnten Long‑COVID‑Symptome erklären
Eine neue Studie, mit Beteiligung von Forschenden an Yale und veröffentlicht in CELL, zeigt Hinweise auf Autoantikörper, die Gehirn und Nerven angreifen können. Versuche an Mäusen lösten ähnliche Symptome wie bei Long‑COVID aus.