Die WHO erklärte am 17. Mai einen gesundheitlichen Notfall von internationaler Tragweite (PHEIC), nachdem zwei Fälle in Kampala bestätigt worden waren und Hinweise auf eine grenzüberschreitende Ausbreitung vorlagen. Es handelt sich um die seltene Bundibugyo-Variante von Ebola; aktuell gibt es hierfür keinen zugelassenen Impfstoff oder eine zugelassene Therapie.
Nach Angaben der WHO gab es in der Provinz Ituri in der Demokratischen Republik Kongo mehrere laborbestätigte und zahlreiche Verdachtsfälle sowie viele vermutete Todesfälle. In Kampala wurden zwei Reisende aus dem Kongo positiv getestet; einer war ein 59-jähriger Kongolese, der am 14. Mai in einem Privatkrankenhaus starb. Der zweite Fall in Kampala steht offenbar nicht in Verbindung mit dem ersten.
Die ersten Symptome wurden bei einer Gesundheitsarbeiterin in Bunia am 24. April beobachtet; Ebola wurde am 15. Mai bestätigt. Zwischenzeitlich starben mehrere Gesundheitsarbeiter, und das Virus breitete sich in verschiedene Städte aus. Erste Schnelltests in Bunia waren negativ, die Bundibugyo-Identität ergab sich erst durch genomische Sequenzierung am nationalen Institut.
Uganda aktivierte den nationalen Notfallplan: Es wurden Screening-, Überwachungs- und Schnellreaktionsteams an offiziellen und inoffiziellen Einreiseorten eingesetzt, ein mobiles Labor aufgebaut und ein elektronisches Gesundheitssystem zur Warnmeldung genutzt. Nachverfolgungsteams identifizierten rund 103 Kontakte, die über 21 Tage beobachtet werden. Präsident Museveni verschob die Martyrerfeier am 3. Juni, hielt die Grenze jedoch offen. Die WHO riet von Grenzschliessungen ab, weil dadurch Bewegungen auf schwer kontrollierbare Routen verlagert werden könnten.
Vertreter forderten internationale Unterstützung: Africa CDC verhandelt über experimentelle Diagnostika, Impfstoffe und Behandlungen und bat um Mittel für Schutzmaterialien. Experten betonen die dringende Notwendigkeit für mehr Diagnostikkapazität und internationale Solidarität. Médecins Sans Frontières schätzt die Sterblichkeitsrate bei Bundibugyo auf 25 bis 40 Prozent und verweist darauf, dass dieser Stamm seit 2007 bislang nur wenige dokumentierte Ausbrüche verursacht hat.
Schwierige Wörter
- variante — eine andere Form eines VirusstammsBundibugyo-Variante
- impfstoff — Medikament zur Vorbeugung einer Infektion
- sequenzierung — Analyse des Erbguts zur Identifizierung von Viren
- aktivieren — einen Plan oder Mechanismus in Kraft setzenaktivierte
- nachverfolgungsteam — Gruppe, die Kontakte von Erkrankten verfolgtNachverfolgungsteams
- sterblichkeitsrate — Prozentualer Anteil der Verstorbenen unter Erkrankten
- ausbreitung — Verbreitung von etwas über ein Gebiet
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Diskussionsfragen
- Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin, dass Uganda die Grenze offen hielt, obwohl zwei Fälle in Kampala auftraten?
- Welche internationalen Hilfen (z. B. Diagnostika, Impfstoffe, Schutzmaterial) sind nach dem Text besonders wichtig und warum?
- Wie kann genomische Sequenzierung bei der Identifikation eines Virusstamms und bei der Bekämpfung eines Ausbruchs helfen?
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