Eine neue Studie, publiziert im Journal of Experimental Psychology: General, dokumentiert altersbezogene Unterschiede in der Wahrnehmung von Konkurrenz und Kooperation. Leitende Autorin ist Veronica Vazquez-Olivieri; Coautor ist Boaz Keysar, beteiligt war auch die Soziologin Tamar Kricheli-Katz. Die Forschenden fanden, dass ältere Erwachsene weniger dazu neigen, soziale und wirtschaftliche Situationen als Nullsummenspiele zu sehen.
Das Team bemerkte das Muster zuerst in Daten der World Values Survey und prüfte es dann experimentell. In vier Tests mit fast 2.500 Teilnehmenden verglichen die Forschenden zwei Altersgruppen (18–30 und 65–80 Jahre). Die Probanden beantworteten allgemeine Aussagen wie „Wenn jemand reich wird, muss jemand arm werden“ und bewerteten konkrete Situationen am Arbeitsplatz und beim Verteilen von Belohnungen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass falsche Nullsummenframes Entscheidungen verzerren können. Die Studie nennt als Beispiel Darstellungen von Einwanderern als „Jobdiebe“, obwohl Belege darauf hinweisen, dass Einwanderung oft Arbeitsplätze schafft und die Wirtschaft erweitert. Außerdem zeigt ein Verhandlungskurs an der University of Chicago, dass Studierende mit starker Nullsummenhaltung durch Erfahrung kooperativere Ansätze entwickelten und bessere Ergebnisse erzielten. Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, diese Verzerrung offen zu legen, damit bessere, kooperative Entscheidungen möglich werden.
Schwierige Wörter
- nullsummenspiel — Situation, bei der ein Vorteil eines Menschen einen Nachteil eines anderen bedeutetNullsummenspiele
- wahrnehmung — Art, wie Menschen etwas sehen oder beurteilen
- verzerrung — Fehler oder falsche Sicht, die Gedanken beeinflusst
- kooperation — Zusammenarbeit von Menschen mit gemeinsamem Ziel
- konkurrenz — Wettbewerb, bei dem Menschen um etwas kämpfen
- publizieren — etwas öffentlich in einem Medium veröffentlichenpubliziert
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen könnte es haben, wenn viele Menschen soziale Situationen als Nullsummenspiele sehen? Nenne zwei Beispiele.
- Wie könnte man in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz falsche Nullsummenframes offenlegen oder korrigieren?
- Welche Rolle können praktische Erfahrungen, wie ein Verhandlungskurs, bei der Veränderung von Einstellungen spielen? Gib Gründe oder ein Beispiel.
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