Viele Menschen planen, sich mehr zu bewegen, halten sich dann aber nicht daran. Die Verhaltenswissenschaftlerin Michelle Segar von der University of Michigan und ein Team mit Forschenden der Kent State University untersuchten dieses Phänomen. Sie führten vier Fokusgruppen mit 27 Erwachsenen im Alter von 19 bis 79 Jahren durch; die Studie erschien in BMC Public Health.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten vier Elemente, die die Alles-oder-nichts-Denkweise formen. Dazu gehören starre, idealisierte Kriterien für Bewegung (eine Teilnehmende sagte: „Wenn ich etwas unter 15 Minuten mache, habe ich das Gefühl, ich habe gar nicht trainiert.“), das Suchen nach Ausreden, das Zurückstellen von Bewegung zugunsten täglicher Aufgaben und das Unverständnis darüber, warum man nicht dabeibleibt.
Segar erklärt, dass diese Denkweise die kurzfristigen Kosten der Bewegung erhöht, sodass „nichts tun“ attraktiv wirkt. Als Gegenmaßnahme schlägt sie drei Denkverschiebungen vor: sich nicht selbst die Schuld geben, „gut genug“ statt „perfekt“ wählen und sich nicht von negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit festhalten lassen.
Schwierige Wörter
- verhaltenswissenschaftlerin — Forscherin, die menschliches Verhalten untersucht
- phänomen — Ereignis oder Verhalten, das untersucht wird
- fokusgruppe — kleine Gruppe für gezielte Gespräche oder ForschungFokusgruppen
- alles-oder-nichts-denkweise — Denkweise mit extremen, entweder-oder-Erwartungen bei Verhalten
- starr — sehr fest, ohne flexible Regelnstarre
- idealisiert — als perfekt oder sehr gut vorgestelltidealisierte
- zurückstellen — etwas später machen, nicht jetzt
- gegenmaßnahme — Maß, das gegen ein Problem vorgeschlagen wird
- denkverschiebung — Veränderung in der Art zu denkenDenkverschiebungen
- kurzfristig — für eine kurze Zeit, nicht langfristigkurzfristigen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Haben Sie schon einmal eine Alles-oder-nichts-Denkweise beim Sport erlebt? Was ist dann passiert?
- Welche der drei vorgeschlagenen Denkverschiebungen würden Sie zuerst ausprobieren und warum?
- Welche täglichen Aufgaben verhindern bei Ihnen manchmal, dass Sie sich bewegen?
Verwandte Artikel
Zwei Mikroglia‑Typen beeinflussen Angst bei Mäusen
Forscher an der University of Utah fanden zwei Mikroglia‑Gruppen, die bei Mäusen Angst entweder auslösen oder verhindern. Die Studie in Molecular Psychiatry zeigt neue Therapieideen, doch Behandlungen sind nicht kurzfristig zu erwarten.
Psychische Erkrankungen erhöhen Risiko für körperliche Verletzungen
Neue Forschung zeigt: Menschen mit psychischen Erkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für selbstverletzende, durch Gewalt verursachte und unabsichtliche Verletzungen. Die Studie basiert auf großen Bevölkerungsdaten und fordert mehr Prävention in der Versorgung.
Virtuelles Ernährungs‑ und Bewegungsprogramm hilft Lymphom‑Patienten
Erste Ergebnisse der LIFE‑L‑Studie zeigen: Ein virtuelles Programm zu Ernährung und Bewegung kann Patientinnen und Patienten während einer Chemotherapie helfen, länger in der Therapie zu bleiben und weniger Symptome zu haben.
Concierge- und DPC‑Praxen wachsen in den USA
Eine Studie zeigt, dass gebührenfinanzierte Concierge- und Direct‑Primary‑Care‑Praxen in den USA von 2018 bis 2023 stark zugenommen haben. Forschende warnen vor Folgen für den Zugang zur Primärversorgung und raten zur Beobachtung der Entwicklung.