Russland verbietet bestimmte FilmeCEFR B2
13. März 2026
Adaptiert nach Daria Dergacheva, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Egor Myznik, Unsplash
Am 1. März 2026 trat in Russland ein Gesetz in Kraft, das die Verbreitung und Vorführung von Filmen verbietet, welche angeblich „traditionelle russische geistige und moralische Werte“ diskreditieren. Das Kulturministerium kann Verbreitungsgenehmigungen verweigern, wenn Werke diesen Werten widersprechen oder deren Ablehnung fördern. Die Regeln gelten für Kinos, Online‑Streaming‑Dienste und soziale Medien.
Russische Medien berichten, das Gesetz betreffe sowohl ausländische als auch inländische Filme. Behörden würden Filme prüfen, die als Förderung „nicht‑traditioneller Beziehungen“ oder als Ablehnung von Familienwerten interpretiert werden könnten. Namentlich als gefährdet genannte Regisseure sind David Fincher, Quentin Tarantino und Martin Scorsese. Unklar bleibt, welche Titel konkret ins Visier genommen werden.
World Pictures bestätigte, dass der 2005 entstandene Film „Nuremberg“ nicht veröffentlicht wird; die russische Premiere am 19. März 2026 entfällt, weil das Kulturministerium keine Verbreitungslizenz erteilt hat und auf Paragraph 19, Unterabsatz Z verwies. Der historische Film von James Vanderbilt begleitet den Psychiater Douglas Kelley bei der Einschätzung der Verhandlungsfähigkeit von Hermann Göring und weiteren Angeklagten.
Das neue Gesetz wirkt vor dem Hintergrund abrupt veränderter Medienbedingungen: Ausländische Streaming‑Dienste funktionieren in Russland seit Beginn der groß angelegten Invasion in die Ukraine nicht mehr, Inlanddienste bleiben beliebt, und illegale Streams von Raubkopien nehmen zu. Im Juni 2024 hatte Präsident Putin ein Gesetz unterschrieben, das die Bestrafung von Urheberrechtsverletzungen lockerte.
Radio Svoboda listete, was unter „traditionellen Werten" verstanden wird:
- Patriotismus und staatsbürgerliche Gesinnung
- Dienst an der Vaterland und Verantwortung für dessen Schicksal
- hohe moralische Ideale und eine starke Familie
- produktive Arbeit und Vorrang des Geistigen vor dem Materiellen
Neben „Nuremberg“ wurden bereits Filme wie „Splitsville“, Michael Angelo Covinos Komödie über offene Beziehungen und Jafar Panahis „It Was Just an Accident“ abgelehnt. Behörden sagten, Panahis Film enthalte Materialien, die gegen russische Gesetze verstießen, darunter angebliche Förderung von Gewalt, Extremismus und nicht‑traditionellen sexuellen Beziehungen. Die Dokumentation „Parents Are Here“ von Lyubov Arkus erhielt 2025 ebenfalls keine Verbreitungslizenz und wurde aus Festivalprogrammen entfernt.
Schwierige Wörter
- diskreditieren — negativ darstellen und den Ruf schädigen
- verbreitung — das Weitergeben oder öffentliche Zeigen von Inhalten
- genehmigung — amtliche Erlaubnis für ein bestimmtes VorhabenVerbreitungsgenehmigungen
- vorführung — öffentliches Zeigen eines Films oder Stücks
- urheberrechtsverletzung — rechtliche Verletzung von geistigem EigentumUrheberrechtsverletzungen
- raubkopie — illegale Kopie eines Films oder ProgrammsRaubkopien
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche möglichen Folgen könnte das Gesetz für Filmkünstler und Kinos in Russland haben?
- Wie könnten Zuschauer reagieren, wenn ausländische Streaming‑Dienste nicht funktionieren und Raubkopien zunehmen?
- Welche Argumente sprechen Ihrer Meinung nach für oder gegen ein Verbot von Filmen wegen angeblicher Werte?
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