Die Studie, geleitet von Jun Wang an der Texas A&M University, wurde in eLife veröffentlicht und vom National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism unterstützt. Die Forschenden identifizierten einen direkten Weg von den Stresszentren des Gehirns zum dorsalen Striatum, einer Region, die Handlungen und Gewohnheiten steuert.
Zu den Stresszentren gehören die zentrale Amygdala und der Bettkern der Stria terminalis. Diese Areale schicken die Stresschemikalie CRF in das dorsale Striatum, wo CRF die cholinergen Interneurone (CINs) erreicht. CINs setzen Acetylcholin frei und erhalten so die Flexibilität des Verhaltens.
Die Forscher fanden außerdem, dass Alkohol in der frühen Entzugsphase die Fähigkeit von CRF schwächt, die CINs zu aktivieren. Alkohol allein verlangsamte die CINs. Das vermindert die natürliche Anpassungsfähigkeit des Gehirns und erklärt, warum Stress Rückfälle fördern kann.
Schwierige Wörter
- Stresszentrum — Teil des Gehirns, das auf Stress reagiertStresszentren
- Striatum — Region im Gehirn, die Handlungen steuertdorsalen Striatum
- Bettkern — Kleiner Kern im Gehirn, Teil der StresszentrenBettkern der Stria terminalis
- Interneuron — Bestimmte Nervenzelle, die Signale im Gehirn moduliertInterneurone
- Acetylcholin — Botenstoff, den Nervenzellen zur Kommunikation freisetzen
- Entzugsphase — Zeit nach Stopp von Substanzkonsum mit Symptomen
- Anpassungsfähigkeit — Fähigkeit, Verhalten an neue Situationen zu ändern
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Warum kann die Verlangsamung der CINs durch Alkohol dazu führen, dass Stress Rückfälle fördert?
- Wie könnte dieses Wissen über Stresswege und CINs Menschen mit Alkoholproblemen helfen?
- Welche Gewohnheit oder Handlung fällt Ihnen ein, die durch Stress besonders schwer zu ändern ist?
Verwandte Artikel
Studie: Ratten mit hohem Stress nehmen mehr Cannabis
Eine Untersuchung zeigt, dass Ratten mit höheren natürlichen Stresswerten häufiger Cannabisdampf selbst verabreichten. Kurzfristiger Stress hing nicht mit dem Suchverhalten zusammen, und mehrere Verhaltensmaße waren ebenfalls verbunden.
Gehirnbilder zeigen Unterschiede bei WTC‑Ersthelfern mit PTBS
Forscher nutzten Gehirnscans von WTC‑Einsatzkräften und fanden strukturelle Unterschiede bei Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung. Die Befunde betreffen die Grenze zwischen grauer und weißer Substanz und könnten Diagnosen verbessern.
Sensorische Hirnareale sind wichtig für das Sprechenlernen
Eine Studie der Yale-Forschenden zeigte: Beim Behalten neu gelernter Sprechbewegungen sind sensorische Hirnprozesse entscheidend. Störungen im auditorischen oder somatosensorischen Kortex schwächen das Behalten, eine Störung im motorischen Kortex nicht.
Gezielte Hirnstimulation reduziert PTBS-Symptome
Eine Studie zeigt: Zwei Wochen MRT-geführte, niederfrequente transkranielle Magnetstimulation (TMS) senkt die Amygdala-Reaktivität und verbessert PTBS-Symptome. Die Wirkung begann nach zwei Wochen und hielt mindestens sechs Monate an.