Wissenschaftler veröffentlichten eine Studie in Science, geleitet von der Emory University und dem New College of Florida. Sie suchten nach Unterschieden im Gehirn, die erklären könnten, warum einige Pinnipedien (Robben und Seelöwen) vokal flexibler sind als andere Säugetiere.
Das Team untersuchte postmortale Gehirne mit Diffusions‑MRT. Verglichen wurden Gehirne von vier Kalifornischen Seelöwen, vier Hafenrobben, drei Nordelefantenrobben und vier Kojoten. Die Probeanimalien stammten größtenteils aus Rehabilitationszentren oder von Einrichtungen, in denen einige Tiere euthanasiert wurden.
Die Ergebnisse zeigten, dass Pinnipedien einen direkten Nervenweg vom vokalen motorischen Kortex zum Hirnstamm haben, der das Mittelhirn umgeht. Bei Kojoten läuft die Verbindung hingegen über das Mittelhirn. Zusätzlich fanden die Forschenden starke auditorisch‑vokale Verbindungen bei einigen Robbenarten. Die Autoren sehen einen Zusammenhang mit der Entwicklung präziser Atmungs‑ und Schluckkontrolle beim Leben im Wasser.
Schwierige Wörter
- Diffusions‑MRT — Spezielle MRT-Technik zur Darstellung von Nervenbahnen
- postmortal — nach dem Tod vorhanden oder untersuchtpostmortale
- Kortex — äußere Schicht des Gehirns, steuert Bewegungenvokalen motorischen Kortex
- Hirnstamm — Teil des Gehirns unterhalb des Großhirns
- Mittelhirn — Ein Teil des Hirnstamms mit wichtigen Funktionen
- auditorisch — zum Hören oder Gehör gehörendauditorisch‑vokale
- euthanasieren — ein Tier oder Menschen töten, um Leiden zu beendeneuthanasiert
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Die Studie nutzte meist Tiere aus Rehabilitationszentren. Finden Sie das aus Forschungssicht akzeptabel? Warum oder warum nicht?
- Wie könnte eine direkte Verbindung vom motorischen Kortex zum Hirnstamm die Lautproduktion im Wasser erleichtern? Nennen Sie zwei mögliche Gründe.
- Glauben Sie, dass ähnliche direkte Nervenwege auch bei anderen Tieren vorkommen könnten? Begründen Sie Ihre Meinung kurz.
Verwandte Artikel
Zwei Mikroglia‑Typen beeinflussen Angst bei Mäusen
Forscher an der University of Utah fanden zwei Mikroglia‑Gruppen, die bei Mäusen Angst entweder auslösen oder verhindern. Die Studie in Molecular Psychiatry zeigt neue Therapieideen, doch Behandlungen sind nicht kurzfristig zu erwarten.
Metaboliten in Millionen Jahre alten Fossilien
Forschende extrahierten zum ersten Mal stoffwechselbezogene Moleküle aus fossilen Knochen im Alter von 1,3 bis 3 Millionen Jahren. Die Analysen zeigen Informationen zu Tieren, ihrer Nahrung und deuten auf damals wärmeres, feuchteres Klima hin.
Studie: Mehr Hirnaktivität bei Menschen mit Zwangsstörung
Eine Studie aus dem Labor von Theresa Desrochers an der Brown University zeigt, dass Menschen mit Zwangsstörung bei einer sequentiellen Denkaufgabe mehr Hirnregionen rekrutieren. Die Befunde könnten TMS‑Therapien gezielter machen.
Wombats: Kommunikation mit würfelförmigem Kot
Eine Studie unter Leitung von Scott Carver untersucht, ob würfelförmiger Kot Wombats hilft, Informationen über Geruch zu übermitteln. Forschende fanden unterschiedliche chemische Signaturen und beobachteten, dass Wombats fremden Kot länger untersuchen.