Der steigende Energiebedarf von KI-Rechenzentren, der bis zum Ende des Jahrzehnts voraussichtlich auf das Doppelte anwachsen wird, wirft drängende Fragen zur Nachhaltigkeit und zum Design von Rechenzentren auf. Aus diesem Grund suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Ideen im Aufbau des menschlichen Gehirns und erforschen neuromorphe Rechnerarchitekturen, also Hardware, die Informationen eher wie biologische neuronale Netze verarbeitet. Suchi Guha von der University of Missouri betont dabei einen klaren Vorteil des Gehirns: Es arbeitet sehr effizient und erledigt komplexe Aufgaben mit nur etwa 20 Watt.
Das Team baut elektronische Komponenten, die Synapsen nachahmen und Lernen, Anpassung und Speicherung ermöglichen. Diese organischen Transistoren speichern und verarbeiten Information am gleichen Ort, während konventionelle Chips Daten zwischen getrennten Speicher- und Verarbeitungseinheiten verschieben. Solche Bewegungen bremsten die Leistung und erhöhen den Energieverbrauch.
Bei Tests zeigten verschiedene organische Materialien trotz ähnlicher Oberflächen sehr unterschiedliche Leistungen als synaptische Transistoren. Die Forschenden identifizierten die Schnittstelle — die dünne Grenze zwischen Halbleiter und Isolator — als entscheidenden Faktor. Die Ergebnisse liefern Prinzipien für den Entwurf neuromorpher Hardware, die energieeffizientere, gehirnähnliche KI ermöglichen könnte. Die Studie erscheint in ACS Applied Electronic Materials; Koautorinnen und Koautoren kommen unter anderem von Mizzou und der Hamad Bin Khalifa University. Quelle: University of Missouri.
Schwierige Wörter
- neuromorph — so gestaltet, dass es dem menschlichen Gehirn ähneltneuromorphe, neuromorpher
- synapse — Kontaktstelle zwischen Nervenzellen im GehirnSynapsen
- transistor — elektronisches Bauteil zur Verstärkung oder SchaltungTransistoren
- schnittstelle — Grenze oder Verbindung zwischen zwei Teilen
- halbleiter — Material mit mittlerer elektrischer Leitfähigkeit
- isolator — Material, das den elektrischen Strom stark hindert
- energieeffizient — wenig Energie für eine Aufgabe benötigenenergieeffizientere
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Findest du es gut, Computer nach dem Vorbild des Gehirns zu bauen? Warum oder warum nicht?
- Welche Vorteile hätte energieeffizientere KI für deinen Alltag oder deine Stadt? Nenne zwei Beispiele.
- Wärst du bereit, mehr für ein Gerät zu zahlen, das weniger Energie verbraucht? Begründe kurz deine Entscheidung.
Verwandte Artikel
Künstliche Intelligenz an US-Grenzen und Risiken
In den USA wird KI bei Grenzkontrollen und in der Einwanderungsdurchsetzung eingesetzt. Menschenrechtsgruppen warnen vor rassistischer Diskriminierung und fordern Transparenz, Opt-out-Möglichkeiten sowie ein Ende diskriminierender Anwendungen.
Studie: Soziale Medien fördern illegalen Buschfleischhandel
Eine Studie in One Health warnt, dass Facebook und andere Dienste den illegalen Verkauf von Buschfleisch in Westafrika unterstützen. Das kann die Artenvielfalt bedrohen und das Risiko von Krankheiten zwischen Tieren und Menschen erhöhen.
VillainNet: Sicherheitslücke bei selbstfahrenden Autos
Forscher entdeckten die Hintertür VillainNet, die Supernetzwerke in autonomen Fahrsystemen ausnutzen kann. Aktiviert könnte sie Angreifern erlauben, Fahrzeuge zu übernehmen; die Studie stammt von Georgia Tech und wurde im Oktober 2025 vorgestellt.
Bonobo spielt mit vorgestellten Gegenständen
Forscher berichten in Science über drei kontrollierte Experimente mit dem enkulturierten Bonobo Kanzi. Die Tests zeigen, dass Kanzi vorgestellte Objekte versteht, und deuten darauf hin, dass diese Fähigkeit 6–9 Millionen Jahre zurückreichen könnte.
KI-Audio fasst Mars-Studien zusammen – nützlich, aber fehleranfällig
Google NotebookLM erstellt podcastähnliche Audio‑Überblicke wissenschaftlicher Arbeiten zu Vulkanismus auf dem Mars. Die Audios sind ansprechend und lehrreich, enthalten aber wiederkehrende Fehler; die Forschenden raten, stets das Originalpapier zu prüfen.