Die United Nations University (UNU) veröffentlichte am 20. Januar einen Bericht, der auf einer peer‑reviewten Studie des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit (INWEH) beruht und erklärt, die Welt befinde sich in einer Ära der «globalen Wasserinsolvenz». Wasserinsolvenz wird definiert als anhaltende Überentnahme von Oberflächen‑ und Grundwasser über die erneuerbaren Zuflüsse und sichere Grenzen hinaus, so dass viele Systeme sich nicht mehr auf historische Pegel erholen können.
Kaveh Madani, Direktor des INWEH und Hauptautor, beschreibt Beispiele wie langfristige Grundwasserentleerung, Bodensenkungen, Verlust von Speicherkapazität und Desertifikation. Der Bericht nennt zahlreiche Zahlen: Etwa 2,2 Milliarden Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, fast 4 Milliarden erleben mindestens einen Monat im Jahr schwere Wasserknappheit, und in den vergangenen fünf Jahrzehnten gingen rund 410 Millionen Hektar natürliche Feuchtgebiete verloren. Rund 50 Prozent des häuslichen Wassers und mehr als 40 Prozent der Bewässerung stammen inzwischen aus Grundwasser, während 70 Prozent der wichtigsten Grundwasserleiter langfristige Rückgänge zeigen.
Gefährdete Regionen sind unter anderem Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas, Zentral‑ und Südasien, Nordchina, der Südwesten der USA und Nordmexiko, Südeuropa und das Mittelmeer, Südafrika sowie Teile Australiens. Als politische Versäumnisse nennt der Bericht dauerhafte Überzuteilung von Wasser, unregulierten Zugang zu Grundwasser und Subventionen, die Übernutzung fördern.
Der Bericht warnt auch vor Risiken für die Nahrungsmittelversorgung: Mehr als die Hälfte der globalen Nahrungsmittelproduktion konzentriert sich in Gebieten mit abnehmender oder instabiler Wasserspeicherung. Als Alternative zum alleinigen Wiederherstellen des Angebots empfiehlt er ein Management innerhalb sicherer Grenzen, etwa durch Investitionen in Wassereffizienz, Modernisierung der Bewässerung, Trockenrisikoplanung, klimaresiliente Infrastruktur, Nutzung von aufbereitetem Abwasser, aktives Nachfrage‑Management und faire Finanzierung betroffener Gemeinden.
Schwierige Wörter
- wasserinsolvenz — anhaltendes Überentnehmen von Oberflächen- und Grundwasser
- grundwasserentleerung — langsame Abnahme des unterirdischen Wasserspiegels
- bodensenkung — Absinken des Bodens wegen WasserverlustBodensenkungen
- feuchtgebiet — Gebiete mit dauerhaft feuchtem Boden und PflanzenFeuchtgebiete
- überzuteilung — zu hohe Zuteilung von Wasserressourcen
- nachfragemanagement — Steuerung der Wassernachfrage zur ReduktionNachfrage‑Management
- klimaresiliente Infrastruktur — Bauten, die besser mit Klimaextremen umgehen
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Diskussionsfragen
- Welche sozialen oder wirtschaftlichen Folgen könnte Wasserinsolvenz für betroffene Regionen haben? Nennen Sie Beispiele und Gründe.
- Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen (z. B. Modernisierung der Bewässerung, Nutzung von aufbereitetem Abwasser oder Nachfragemanagement) würden Sie in Ihrer Region priorisieren und warum?
- Welche politischen oder finanziellen Hindernisse könnten die Umsetzung fairer Finanzierung für betroffene Gemeinden erschweren?
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