In Mexiko verlangen Forscher klare, evidenzbasierte Vorschriften für Geneditierung in der Landwirtschaft, damit diese nicht pauschal mit klassischen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gleichgesetzt wird. Sie verweisen auf die technischen Unterschiede: CRISPR-Cas erlaubt gezielte Änderungen im Genom, etwa das Ausschalten oder die Modifikation bestimmter Gene, ohne notwendigerweise fremde Gene einzuführen.
28 Forschende aus verschiedenen Institutionen veröffentlichten eine öffentliche Erklärung und starteten eine Petition auf Change.org. Die Initiative reagiert unter anderem auf ein Dekret, das Präsidentin Claudia Sheinbaum im März unterzeichnete und das den Anbau von gentechnisch verändertem Mais verbietet. Das Dekret verlangt, dass die Maisproduktion frei von genetischen Veränderungen sein muss, die natürliche Barrieren für Fortpflanzung oder Rekombination überwinden, und nennt transgene Pflanzen als Beispiel. Einige Forscher befürchten, diese Formulierung könnte auch Geneditierungstechniken erfassen, die keine fremde DNA einführen.
Fachleute wie Luis José Delaye Arredondo vom Center for Research and Advanced Studies betonen, dass präzise Editierung eigene Regeln verdient. Andere, darunter Alma Piñeyro, warnen vor verstärkten oder unerwarteten Effekten ausserhalb des Labors und fordern interdisziplinäre Analysen. Agustín López-Herrera kritisierte die derzeitige Haltung der Regierung als pauschal gegenüber neuen Biotechnologien.
Forscher nennen regionale Beispiele: Argentinien führte 2015 Regeln ein und bewertet Produkte fallweise, Chile folgte 2017 und behandelt Produkte ohne fremde DNA als konventionell. Miguel Sánchez von ChileBio sagte, Geneditierung reduziere Zeit und Kosten zur Entwicklung neuer Sorten, und Mexiko verliere dadurch Chancen. Die Wissenschaftler betonen, dass Regulierung Raum für öffentliche Diskussion, Konsensbildung und klare Aufsicht schaffen könnte. Es ist noch unklar, wie die mexikanischen Behörden auf die Petition reagieren werden und ob differenzierte neue Vorschriften vorgeschlagen werden.
Schwierige Wörter
- geneditierung — gezielte Veränderung des Erbguts von Organismen
- evidenzbasiert — auf wissenschaftlichen Beweisen und Daten beruhendevidenzbasierte
- dekret — schriftliche Anordnung der Regierung oder Behörde
- rekombination — Austausch oder Neuverteilung von Erbmaterial
- interdisziplinär — Arbeit oder Forschung mit mehreren Fachrichtungeninterdisziplinäre
- regulierung — Gesetze oder Regeln zur Kontrolle einer Tätigkeit
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Sollten Geneditierung und klassische gentechnisch veränderte Organismen unterschiedlich reguliert werden? Begründe mit den im Text genannten Unterschieden.
- Welche Chancen und Risiken nennt der Text, wenn Mexiko Geneditierung streng wie GVO behandelt? Nenne mindestens je ein Beispiel.
- Welche Bedeutung hätten öffentliche Diskussion und Konsensbildung für klare Vorschriften zur Geneditierung, wie die Forscher vorschlagen?
Verwandte Artikel
Kleine RNA steuert Cholesterin und Herzrisiko
Forscher identifizierten das kleine RNA-Molekül tsRNA-Glu-CTC, das in der Leber die Cholesterinproduktion und das Atherosklerose-Risiko beeinflusst. Studien an Mäusen und Untersuchungen mit Blutproben deuten darauf hin, dass der Mechanismus auch beim Menschen relevant ist.
Jagd beeinflusst Geschlechterverhältnis von Wildtruthähnen
Eine dreijährige Studie in Georgia, South Carolina und Louisiana zeigt, dass Jagd das Überleben männlicher Truthähne senkt und in bejagten Gebieten mehr weibliche Jungtiere entstehen. Forschende vermuten Stress und Paarungsverhalten als Ursachen.
Bäuerliche Aktionen und Agroökologie vor COP30
Philippinische Bäuerinnen und Bauern organisierten vor COP30 Messen, Workshops, Kochaktionen und Petitionen. MASIPAG widersprach einer geplanten GVO-Verordnung, förderte Agroökologie und diskutierte Landreform sowie Frauenrechte in ländlichen Gebieten.