Eine Studie, die in der November-Ausgabe der Fachzeitschrift Energy and Buildings erscheinen wird, zeigt, dass einfache, kostengünstige Designentscheidungen dazu beitragen können, Innenräume in den schnell erwärmenden Städten Lateinamerikas kühler zu halten. Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen helle Wandfarben, gedämmte und belüftete Dächer, mittelgroße Fenster sowie die Ausrichtung der Gebäude nach Sonne und Wind. Diese Maßnahmen werden als Beispiele passiver Architektur beschrieben, die auf natürliche Belüftung, Verschattung und gezielte Nutzung von Sonnenlicht setzt, statt auf intensive Klimatisierung.
Die Forschenden führten Computersimulationen für fünf große Städte durch: Rio de Janeiro, São Paulo, Santiago, Bogotá und Lima. Sie bewerteten Energieverbrauch, Kosten und CO2-Emissionen, um Material- und Entwurfskombinationen zu identifizieren, die Komfort gewährleisten und den Energiebedarf minimieren. Alexandre Santana Cruz von der Federal University of Rio de Janeiro nannte traditionelle Mauerwerke, Faserzement oder Tonziegel kombiniert mit expandiertem Polystyrol und Einfachverglasung als ideale Konfigurationen für klimaresiliente Gebäude in den untersuchten Ländern. Er warnte zugleich, dass fortschrittliche Gebäudetechnologien zwar Vorteile bieten, ihre hohen Kosten und die CO2-Emissionen bei der Herstellung eine großflächige Anwendung in der Region unrealistisch machen.
Die Architektin Karen Carrer Ruman de Bortoli hob als wichtige Elemente die richtige Ausrichtung auf Sonne und Wind, Wände mit höherem Wärmewiderstand, belüftete Dächer und Grünflächen hervor. Forschende der MORA-Gruppe an der Federal University of Uberlândia stellten fest, dass in einem Bundeswohnprogramm gebaute Häuser oft passive Gestaltungselemente vermissen und Familien während Hitzewellen verwundbar bleiben; zudem können informelle, teure Renovierungen die Widerstandsfähigkeit weiter beeinträchtigen.
Um die Lücke zwischen Entwurf und Praxis zu schließen, schlagen die Autorinnen und Autoren ein kostenloses digitales Werkzeug vor, das maßgeschneiderte Wohnentwürfe für lokale Klima- und Stadtbedingungen erzeugt. Als praktische nächste Schritte empfehlen sie Gemeinschaftsbeteiligung und Aufklärung neuer Hausbesitzer, Renovierungsleitfäden und Schulungen für Handwerker sowie Workshops in der Gemeinde, um Komfort zu verbessern und den Energieverbrauch ohne große Investitionen zu senken.
Schwierige Wörter
- innenraum — Räume im Inneren eines Gebäudes.Innenräume
- passive architektur — Gebäudedesign ohne aktive elektrische Klimaanlage.passiver Architektur
- dach — Obere Abdeckung eines Gebäudes zum Schutz gegen Wetter.Dächer
- belüftung — Austausch von Luft in einem Raum.
- verschattung — Schatten oder Schutz vor direktem Sonnenlicht.
- renovierung — Veränderung oder Reparatur eines Hauses.Renovierungen
- computersimulation — Computermodell zur Untersuchung eines Systems.Computersimulationen
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Diskussionsfragen
- Welche Vorteile könnte passive Architektur in Ihrer Stadt bringen? Begründen Sie kurz.
- Welche Schwierigkeiten könnten bei der Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen in sozialen Wohnprogrammen auftreten? Nennen Sie Beispiele.
- Wie könnten kostenlose digitale Werkzeuge die Planung lokaler Wohnentwürfe für verschiedene Klimabedingungen verbessern?
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