Im Iran hat sich die Wasserkrise zu einem komplexen, strukturellen Problem entwickelt. Offizielle und wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein erheblicher Teil der illegalen Grundwasserförderung von Akteuren mit rechtlicher und regulatorischer Immunität ausgeht, darunter die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) und verbundene Firmen. Dieses nicht regulierte Bohren beeinflusst die lokale Wasserverfügbarkeit nachhaltig.
Die Geological Survey of Iran (2023) berichtet, dass viele Wasserleiter in einen "kritischen" oder "verbotenen" Zustand geraten sind. Behörden meldeten 2017 rund 220.000 nicht genehmigte Brunnen. In Regionen wie Isfahan, Yazd, Qom und Semnan führten starke Absenkungen des Grundwasserspiegels zur Aufgabe zahlreicher Dörfer. Gleichzeitig wurde das Khatam al-Anbiya Construction Headquarters in den letzten zehn Jahren zum größten Auftragnehmer für Stauanlagen, Wassertransfers und industrielle Landwirtschaftsprojekte.
Der Journalist und Umweltfachmann Nikahang Kowsar spricht von einem "versteckten Diebstahl aus den Aquiferen des Volkes" und beschreibt das Schweigen der Regulierungsbehörden als Folge von Korruption und Angst. Experten sehen die Krise nicht nur als Umweltproblem, sondern auch als potenzielle nationale Sicherheitsbedrohung, weil staatliche Regeln zugunsten militärischer Prioritäten gebogen werden und dadurch die Legitimation staatlicher Institutionen erschüttert wird.