Eine von Michael Golding geleitete Studie an der Texas A&M University, veröffentlicht in Frontiers in Cell and Developmental Biology, zeigt unerwartete Effekte hoher Antioxidantien-Dosen auf Spermien und Nachkommen. Die Forschenden fanden, dass regelmäßige, hohe Einnahme die Spermien-DNA schädigen kann und bei den Nachkommen zu Veränderungen der Schädel- und Gesichtsform führt.
Im Versuch wurden N-Acetyl-L-Cystein (NAC) und Selen in Mausmodellen geprüft; männliche Mäuse erhielten die Substanzen sechs Wochen vor der Paarung. Obwohl die Väter keine allgemeinen Gesundheitsveränderungen zeigten, hatten die Nachkommen sichtbare Unterschiede. Besonders die weiblichen Tiere wiesen näher beieinander stehende Augen und kleinere Schädel auf — Merkmale, die auch beim fetalen Alkoholsyndrom beschrieben werden, welches Goldings Team zuvor mit väterlichem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht hatte.
Die Forschenden hatten gehofft, oxidativen Stress zu verringern, fanden aber, dass ein Zuviel an Antioxidantien das biologische Gleichgewicht stören und schädliche Effekte auslösen kann. Ähnliche Befunde zeigen bereits, dass große Antioxidantienmengen Vorteile von körperlichem Training abschwächen können. Golding weist darauf hin, dass Gesicht und Gehirn gleichzeitig entstehen; Veränderungen der Gesichtsmittellinie können daher auf Unterschiede in der Gehirnmittellinie hindeuten, die mit Impulskontrollproblemen, Epilepsie und anderen Entwicklungsstörungen verknüpft sind. Ob die untersuchten Nachkommen tatsächlich zentrale Nervensystem‑Störungen zeigen, muss noch weiter untersucht werden.
Als praktische Empfehlung rät das Team zur Vorsicht bei hochdosierten Antioxidantienpräparaten, besonders wenn Männer bald Kinder planen. Viele Multivitamine enthalten NAC und andere antioxidativ wirksame Zutaten in hohen Mengen; Golding empfiehlt, Produkte zu vermeiden, die 1,000% der empfohlenen Tagesmenge liefern, und stattdessen möglichst nahe bei 100% zu bleiben. Die Quelle der Meldung ist die Texas A&M University.
Schwierige Wörter
- antioxidans — Stoff, der freie Radikale im Körper neutralisiertAntioxidantien-Dosen, Antioxidantienmengen, Antioxidantien
- spermium — männliche Keimzelle, die zur Befruchtung dientSpermien, Spermien-DNA
- oxidativer Stress — Schaden durch reaktive Sauerstoffmoleküle im Körperoxidativen Stress
- Gleichgewicht — Zustand, in dem verschiedene Kräfte ausgeglichen sind
- Gesichtsmittellinie — Linie in der Mitte des Gesichts, die Hälften trennt
- Impulskontrollproblem — Schwierigkeit, eigene Impulse und Verhalten zu kontrollierenImpulskontrollproblemen
- schädigen — einem Organismus oder Körperteil Schaden zufügen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Sollten Männer, die bald Kinder planen, Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Antioxidantienmengen vermeiden? Begründe deine Meinung.
- Welche weiteren Studien wären nötig, um festzustellen, ob die Nachkommen auch zentrale Nervensystem‑Störungen haben?
- Wie könnten diese Ergebnisse Empfehlungen für Multivitamine oder für Sportler verändern?
Verwandte Artikel
Gehirnbilder zeigen Unterschiede bei WTC‑Ersthelfern mit PTBS
Forscher nutzten Gehirnscans von WTC‑Einsatzkräften und fanden strukturelle Unterschiede bei Personen mit posttraumatischer Belastungsstörung. Die Befunde betreffen die Grenze zwischen grauer und weißer Substanz und könnten Diagnosen verbessern.
Gestörte innere Uhr fördert aggressiveren Brustkrebs
Forschung an der Texas A&M University zeigt, dass wiederholte Störungen der zirkadianen Uhr Brustgewebe verändern und die Immunabwehr schwächen. In experimentellen Modellen führten diese Störungen zu schnellerem und aggressiverem Brustkrebs.