Sinkende offizielle Entwicklungshilfe und anhaltende Gesundheitsprobleme führten in Afrika zu Forderungen nach mehr regionaler Kontrolle über Gesundheitsforschung und -entwicklung (RD&I). Der Kontinent trägt ein Viertel der weltweiten Krankheitslast, leistet aber weniger als ein Prozent zu den globalen Gesundheitsausgaben. Forschende sehen in der Finanzierungslücke die Chance, lokal geführte und nachhaltige Gesundheitssysteme aufzubauen, die Pandemie-Vorbereitung verbessern, die universelle Gesundheitsversorgung stützen und den Zugang zu sicheren, wirksamen sowie bezahlbaren Arzneimitteln und Impfstoffen sichern.
Es gibt bereits konkrete afrikanische Führungsbeispiele: Das Institut Pasteur von Dakar erweitert die Impfstoffproduktion und begann den Baubeginn einer Anlage mit einer Kapazität von 300 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr. In Südafrika treiben Biovac und Afrigen Impfstoffinnovation sowie Technologietransfer für mRNA voran, und Kenias BioVax Institute fördert RD&I als Wachstumsmotor. Weitere Zentren für genomische Überwachung, etwa in Nigeria, Südafrika und der Demokratischen Republik Kongo, ermöglichten die Echtzeit-Erkennung neuer Virusvarianten. Südafrikas Aspen Pharmacare erwarb die Fähigkeit, COVID-19-Impfstoffe herzustellen. Trotz dieser Fortschritte kann ein Vertrauensdefizit gegenüber lokal entwickelten Produkten die Akzeptanz und den Marktzugang begrenzen.
Auf der 75. Sitzung des WHO-Regionalausschusses für Afrika in Lusaka im August plädierten Delegierte dafür, die Abhängigkeit von externer Finanzierung zu verringern und Gesundheit als Säule des regionalen Handels und industriellen Wachstums zu positionieren. Forschende empfehlen dringende politische Schritte:
- Finanzierung des African Vaccine Manufacturing Accelerator
- Beschleunigung der Operationalisierung der African Medicines Agency
- Regelungen im African Continental Free Trade Area zu geistigem Eigentum, digitalem Handel und Investitionsanreizen
Vertreter der African Voices of Science — Ntobeko Ntusi, Glaudina Loots, Johnpaul Omollo und Moussa Sarr — formulierten diese Sichtweisen. Die African Voices of Science ist eine Initiative von Speak Up Africa, einer in Senegal ansässigen, von Afrikanerinnen und Afrikanern geführten Organisation. Der Beitrag wurde vom englischsprachigen Sub-Saharan Africa Desk von SciDev.Net erstellt.
Schwierige Wörter
- entwicklungshilfe — staatliche oder internationale finanzielle Unterstützung für Entwicklungsländer
- krankheitslast — Gesamtbelastung durch Krankheiten in einer Bevölkerung
- finanzierungslücke — fehlender Geldbetrag für Projekte oder Programme
- pandemie-vorbereitung — Maßnahmen zur Vorbereitung auf Krankheitsausbrüche
- technologietransfer — Weitergabe von technischem Wissen und Verfahren
- genomische Überwachung — Überwachung von Krankheitserregern mit Genanalyse
- operationalisierung — Umsetzung einer Idee in praktische Abläufe
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Vorteile und Risiken sehen Sie, wenn Afrika seine Gesundheitsforschung regional stärker kontrolliert? Bitte begründen.
- Wie könnte man das im Text erwähnte Vertrauensdefizit gegenüber lokal entwickelten Produkten verringern? Nennen Sie konkrete Schritte.
- Welche Wirkung könnte die Finanzierung des African Vaccine Manufacturing Accelerator auf die Verfügbarkeit von Impfstoffen in Afrika haben? Erklären Sie kurz.
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