Im Juni 2024 entschied Brasiliens Oberster Gericht (STF), den Besitz von Marihuana zum persönlichen Gebrauch zu entkriminalisieren. Nach dem neuen Verständnis gilt der Besitz von bis zu 40 Gramm oder sechs weiblichen Pflanzen als Eigengebrauch. Konsum bleibt illegal, doch die Sanktionen sind nun verwaltungsrechtlich und nicht mehr strafrechtlich.
Das Urteil verlangt, dass Polizei und Gerichte anders prüfen, ob es sich um Handel oder Eigenkonsum handelt. Der Präsident des Obersten Gerichts, Luís Roberto Barroso, erklärte, das Urteil könne zugunsten der Angeklagten rückwirkend gelten. Im August wandte das Superior Court of Justice (STJ) den Präzedenzfall an und sprach eine Person frei, die wegen 23 Gramm inhaftiert war.
Frühere Regeln, etwa das Gesetz 11.343 von 2006, hatten keine klaren Kriterien. Kritiker wie Gabriella Arima sagen, Richter und Polizei hätten zuvor subjektive Faktoren benutzt. Studien und Schätzungen deuten auf mögliche Entlastung der Gefängnisse und Einsparungen hin, Fachverbände fordern aber mehr Aufklärung, Unterstützung und Regulierung.
Schwierige Wörter
- entkriminalisieren — etwas nicht mehr als Straftat behandeln
- Eigengebrauch — Nutzung durch eine Person, nicht für Verkauf
- verwaltungsrechtlich — zur Verwaltung gehörend, nicht strafrechtlich
- Präzedenzfall — ein früheres Gerichtsurteil als Vorbild
- rückwirkend — auf frühere Handlungen oder Fälle angewandt
- Gefängnis — Ort, wo verurteilte Menschen einsitzenGefängnisse
- Regulierung — gesetzliche Regeln oder Kontrollen für etwas
- Sanktion — Strafe oder Maßnahme nach einem VerstoßSanktionen
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Diskussionsfragen
- Glauben Sie, dass die Entkriminalisierung des Besitzes Gefängnisse entlasten kann? Warum oder warum nicht?
- Welche Formen von Aufklärung, Unterstützung oder Regulierung wären nach diesem Urteil sinnvoll?
- Wie sollten Polizei und Gerichte laut Artikel künftig zwischen Handel und Eigenkonsum unterscheiden?
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