Madagaskars Bildungssystem zeigt strukturelle Schwächen, die sich über alle Ebenen ziehen und das Wachstum des Landes bremsen. Laut Daten der Weltbank aus 2025 sind nur 66,6 Prozent der Mädchen und 60,6 Prozent der Jungen in Madagaskar am Ende der Primarschule, gegenüber einem weltweiten Durchschnitt von 88,3 Prozent. Die Bruttoeinschreibungen betragen 36 Prozent (Sekundarstufe Mädchen), 34 Prozent (Sekundarstufe Jungen) und 6 Prozent (tertiäre Bildung). Nur 25 Prozent der Kinder können nach der Primarschule fließend lesen; die Wiederholungsquote an öffentlichen Schulen liegt bei 25,3 Prozent.
Mehrere Faktoren tragen dazu bei: Rund 60 Prozent der Lehrkräfte in der Primar- und Vorschulbildung arbeiteten 2024 als FRAM und viele sind nicht qualifiziert. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis beträgt 39,81 im Primarbereich. Die Infrastruktur ist schlecht, in entlegenen Gebieten fehlen Schulen oder es gibt nur sehr kleine Einrichtungen; Zyklone zerstören jährlich 1.000–2.000 Klassenzimmer. Staatliche Ausgaben für Bildung liegen bei 2,8–3 Prozent des BIP, Forschung erhält 0,1 Prozent.
Auch die Hochschulbildung ist unter Druck: Etwa 70 Prozent der Kurse werden von Nicht-Beamten gelehrt, häufig blieben Gehälter unbezahlt und es gab im Mai 2024 Proteste an der ESPA und anderen staatlichen Universitäten über verzögerte Stipendien sowie Reparaturen an Wohnheimen, der Wasserversorgung und dem Internet. Absolventen sehen sich hoher Jugendarbeitslosigkeit gegenüber, viele arbeiten ausserhalb ihres Fachgebiets oder gehen ins Ausland (France, Canada, Mauritius und andere Staaten).
- Experten empfehlen mehr Finanzierung für Bildung.
- Sie raten, Lehrkräfte einzustellen und besser auszubilden.
- Universitäten sollen Personal, Infrastruktur und Forschung stärken.
Governance-Probleme verschärfen die Krise: Madagaskar erreichte 26 von 100 und Platz 140 von 180 im Corruption Perceptions Index 2024; Umfragen zeigen, dass etwa 40 Prozent Korruption in Schulen beobachtet haben und ein Drittel der Studierenden Fälle sexuellen Fehlverhaltens begegnet ist. Eine Erhöhung qualifizierter Lehrkräfte würde die Bildungsqualität und langfristig das BIP pro Kopf verbessern.
Schwierige Wörter
- schwäche — Fehler oder Problem in Systemen oder OrganisationenSchwächen
- bruttoeinschreibung — Anteil der eingeschriebenen Personen in einer BildungsstufeBruttoeinschreibungen
- tertiär — Bildungsbereich nach der Sekundarstufe, z. B. Universitätentertiäre
- wiederholungsquote — Anteil der Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen
- schüler-lehrer-verhältnis — Zahl der Schüler im Verhältnis zu einem Lehrer
- infrastruktur — Gebäude, Einrichtungen und Versorgung für Schulen
- jugendarbeitslosigkeit — Anteil arbeitsloser junger Menschen im Erwerbsalter
- korruption — Missbrauch öffentlicher Macht für privaten Vorteil
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Maßnahmen aus dem Text würden Sie zuerst umsetzen, um die Bildungsqualität in Madagaskar zu verbessern? Begründen Sie kurz.
- Welche Folgen kann hohe Jugendarbeitslosigkeit für Absolventen und die Gesellschaft haben? Nennen Sie zwei Beispiele.
- Wie könnten bessere Governance und weniger Korruption die Bildungsausgaben und Schulergebnisse beeinflussen? Erklären Sie kurz.
Verwandte Artikel
USA und afrikanische Länder: Neue Gesundheitsabkommen
Die USA haben mit vierzehn afrikanischen Ländern bilaterale Gesundheitsabkommen geschlossen. Kritiker befürchten Kontrollverlust über Gesundheitsdaten, Krankheitserregerproben und nationale Prioritäten; in Kenia hat ein Gericht Teile des Abkommens gestoppt.
Universität und Pharmafirma gründen Akademie für Biotechnologie
Eine internationale Universität in Ägypten und ein Pharmaunternehmen starten Anfang dieses Jahres eine Akademie für Biotechnologie. Ziel ist, die Ausbildung praxisnäher zu machen und Forschung sowie Industrie enger zu verbinden.
Miski Osman: Identität, Arbeit und Investitionen in Ostafrika
Eine von der African Union Media Fellowship unterstützte Serie sammelt Interviews der somalischen Diaspora. Miski Osman erzählt von ihrer Zeit in Mogadischu, dem Umzug nach Nairobi und ihrer Arbeit bei UNOPS seit Januar 2024.
Junge Männer rücken in Südkorea nach rechts
Umfragen und die Wahl im Juni 2025 zeigen eine starke Trennung zwischen jungen Männern und Frauen in Südkorea. Diskussionen drehen sich um Feminismus, Umverteilung, Einwanderung und Bildung; viele junge Männer bleiben dennoch dem demokratischen System treu.