Eine systematische Übersichtsarbeit, die im August in Frontiers in Public Health erschienen ist, kommt zu dem Ergebnis, dass Citizen Science viele Ziele zu Gesundheit und Wohlbefinden in den UN‑Nachhaltigkeitszielen (SDGs) und in den Triple‑Billion‑Zielen der WHO besser überwachen könnte. Die Autorinnen und Autoren stammen vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und von der WHO.
Die Studie zeigt konkret, dass Citizen Science direkt zu oder ergänzend bei mindestens 48 von 58 gesundheits‑ und wohlstandsbezogenen Indikatoren beitragen kann. Dem Bericht zufolge könnten mehr als 80 Prozent dieser gesundheitsbezogenen Indikatoren durch Citizen Science überwacht werden; insgesamt könnte diese Form der Datenerhebung zu etwa einem Drittel der 231 SDG‑Indikatoren beitragen. Besonders großes Potenzial sehen die Forschenden in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Wohlbefinden.
Die Autorinnen beschreiben Citizen Science als ein Spektrum von Ansätzen: von wissenschaftlich geleiteten Projekten, bei denen Freiwillige Daten sammeln, bis zu Initiativen, in denen Freiwillige Forschungsfragen mitbestimmen, Daten erheben und auswerten sowie Ergebnisse teilen. Beispiele sind Biodiversitätsbeobachtungen, das Sammeln von Plastik aus Flüssen und Meeren sowie Messungen von Wasser‑ und Luftqualität. Nationale Erhebungen sind oft teuer, langsam oder unvollständig, weshalb Citizen Science lokale Datenlücken schließen kann; für fast die Hälfte der Umwelt‑SDG‑Indikatoren fehlen laut Bericht noch Daten.
Die Autorinnen und Autoren weisen aber auch auf Nachteile hin, etwa die Rekrutierung und Bindung von Teilnehmenden sowie Fragen zur Datenqualität. Sie betonen zugleich, dass iterative Projektgestaltung und eine wachsende Fachliteratur zeigen, dass Citizen Science verlässliche Daten liefern kann. Als praktisches Beispiel wird Ghana genannt: Dort wurden vorhandene Citizen‑Science‑Daten zu marinem Plastikmüll in die offizielle Überwachung und Berichterstattung für den SDG‑Indikator zur Plastikteildichte für 2016–2020 integriert.
Schwierige Wörter
- Citizen Science — Bürgerbeteiligung an Forschung durch Freiwillige
- Nachhaltigkeitsziel — ein Ziel für nachhaltige EntwicklungNachhaltigkeitszielen
- Indikator — Messgröße zur Beurteilung eines ZustandsIndikatoren
- überwachen — etwas beobachten und prüfen regelmäßigüberwacht
- Datenqualität — Wie zuverlässig und genau Daten sind
- Erhebung — Sammeln von Informationen oder DatenErhebungen
- Plastikteildichte — Maß für Menge von Plastik in Wasser
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Vorteile kann Citizen Science gegenüber nationalen Erhebungen haben? Nennen Sie zwei Beispiele aus dem Text.
- Welche Maßnahmen könnten die Datenqualität und die Bindung von Teilnehmenden in Citizen‑Science‑Projekten verbessern?
- Sollten lokale Citizen‑Science‑Daten in offiziellen SDG‑Berichten verwendet werden? Begründen Sie Ihre Meinung.
Verwandte Artikel
Gewebeverlustkrankheit bedroht karibische Korallen
Das Institute of Marine Affairs warnt vor der Gewebeverlustkrankheit (SCTLD), die Korallenriffe in der Karibik stark schädigt und vermutlich bald Tobago erreichen wird. Behörden bereiten sich vor, schulen Personal und rufen zu Meldungen und Schutzmaßnahmen auf.
Direkte Bilder von Novae zeigen komplexe Ausbrüche
Astronominnen und Astronomen machten direkte Aufnahmen von zwei Novae kurz nach ihren Ausbrüchen. Die Bilder und Spektren zeigen mehrere Ausflüsse, kollidierende Ströme und verzögerte Auswürfe, verbunden mit Gammastrahlenmessungen von Fermi.
Cannabisrauch plus verarbeitete Ernährung kann Herzrisiko erhöhen
Laborstudie zeigt: Rauchen von Hanf und eine Omega‑6‑reiche, verarbeitete Ernährung können Herzfunktion schwächen und Entzündungen fördern. Forschende warnen, dass die Kombination Immunsystem und Reparaturfähigkeit des Körpers beeinträchtigen kann.
Chinesische Elektroautos verlagern ihren Fokus nach Afrika
Chinesische Autohersteller expandierten ins Ausland, doch hohe Zölle in den USA und Handelskontrollen in der EU schränken den Zugang ein. Viele Firmen und afrikanische Regierungen bauen nun Produktion, Händlernetz und Infrastruktur in Afrika aus.