In einer Studie, veröffentlicht in JAMA Network Open, werteten Forschende Daten aus der Health Outcomes and Measures of Environment Study aus. Die Kohorte begleitete Kinder und ihre Familien vom zweiten Schwangerschaftsdrittel bis zum Alter von 12 Jahren. Die Forschenden bestimmten Bleikonzentrationen im Blut im Alter von 1, 2, 3, 4, 5, 8 und 12 Jahren und erfassten Angst‑ und Depressionswerte etwa im Alter von 12 Jahren.
Die Analyse ergab, dass jede Verdopplung der durchschnittlichen kindlichen Bleikonzentration im Blut mit einem erhöhten Risiko für ausgeprägte, vom Kind berichtete Depressionssymptome verbunden war. Bereits niedrige Kindheitswerte standen ebenfalls mit späteren selbstberichteten Depressionssymptomen in Zusammenhang. Das Risiko stieg besonders stark, wenn die Exposition in der späten Kindheit und frühen Adoleszenz erfolgte; das Alter von acht Jahren erschien laut den Forschenden als besonders folgenreiche Zeit.
Die Autorinnen und Autoren nannten mögliche biologische Prozesse, die den Zusammenhang erklären könnten:
- veränderte Neurotransmitterfunktion, reduzierte Neurogenese und gestörte synaptische Plastizität in stimmungsrelevanten Hirnregionen,
- oxidativen Stress und Entzündungen,
- genetische Modifikationen, die Beginn oder Persistenz von Symptomen nach Exposition beeinflussen könnten.
Christian Hoover und Joseph Braun von der Brown University betonten die Überzeugungskraft der Befunde und die Notwendigkeit, Bleiexposition weiterhin zu verhindern und bei älteren Kindern zu verringern. Die Arbeit wurde von den National Institutes of Environmental Health Sciences finanziert.
Schwierige Wörter
- kohorte — Gruppe von Personen, die über Zeit beobachtet wird
- bleikonzentration — Menge von Blei im Blut einer PersonBleikonzentrationen
- exposition — Ausgesetztsein gegenüber einem Stoff oder einer Gefahr
- neurogenese — Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn
- plastizität — Fähigkeit von Neuronen, Verbindungen zu verändernsynaptische Plastizität
- oxidativer stress — Schädigung durch reaktive Sauerstoffverbindungen in Zellenoxidativen Stress
- modifikation — chemische oder strukturelle Veränderung am ErbgutModifikationen
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Diskussionsfragen
- Welche Folgen könnte eine Verringerung der Bleiexposition in der Kindheit für die psychische Gesundheit von Jugendlichen haben? Begründe deine Antwort.
- Welche praktischen Maßnahmen könnten Familien oder Schulen ergreifen, um Bleiexposition bei älteren Kindern zu reduzieren?
- Die Forschenden nennen mehrere biologische Prozesse als Erklärung. Wie überzeugend findest du diese Gründe und warum?
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