Eine Studie der Rockefeller University, veröffentlicht in Current Biology, untersuchte die klonalen Räuberameisen Ooceraea biroi. Weil die Art sich ungeschlechtlich fortpflanzt, konnten Forschende genetisch identische Linien erzeugen und sie in experimentelle Kolonien mischen. Chemische Analysen zeigten, dass Kolonien denselben Satz wachsartiger Verbindungen teilen, diese aber in unterschiedlichen Verhältnissen kombinieren, um charakteristische Koloniegerüche zu erzeugen. Basisversuche bestätigten, dass Ameisen fremde Genotypen meist mit Aggression beantworten.
Um die Flexibilität des Erkennungsmechanismus zu prüfen, setzten die Forschenden junge Ameisen mit schwachen chemischen Profilen in fremde Kolonien. Nach einem Monat anhaltender Exposition glichen sich diese Ameisen chemisch der Pflegekolonie an und wurden bei Tests nicht mehr aggressiv behandelt. Dennoch blieben Grenzen: Tiere, die schon im Ei-Stadium getrennt wurden, akzeptierten weiterhin Individuen ihres eigenen Genotyps, was auf ein intrinsisches Selbstgefühl hinweist.
Die erlernte Toleranz erwies sich als fragil: Wenn der Kontakt zur Pflegekolonie abbrach, kehrte die Aggression innerhalb von etwa einer Woche zurück, weil das chemische Profil zurückdriftete. Kurze, gelegentliche Begegnungen reichten hingegen aus, um die Toleranz aufrechtzuerhalten. Die Ergebnisse zeigen, wie Innere lernen, Außenseiter zu tolerieren, und bilden die Grundlage für weitere neurobiologische Studien.
Schwierige Wörter
- klonal — aus einem einzigen genetischen Ursprung entstandenklonalen
- ungeschlechtlich — ohne sexuelle Fortpflanzung; nur ein Geschlecht beteiligt
- Genotyp — die genetische Ausstattung eines IndividuumsGenotypen, Genotyps
- Koloniegeruch — typischer Geruch einer Tierkolonie zur Erkennung unter MitgliedernKoloniegerüche
- wachsartige Verbindung — chemische Stoffe, ähnlich wie Wachswachsartiger Verbindungen
- Pflegekolonie — Kolonie, die junge Tiere aufnimmt und pflegt
- Toleranz — Fähigkeit, andere ohne Aggression zu akzeptieren
- fragil — leicht verletzlich oder nicht stabil
- Exposition — längere Einwirkung oder Kontakt mit etwas
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Warum ist es wichtig, dass junge Ameisen das chemische Profil der Pflegekolonie übernehmen können?
- Welche Folgen könnte die fragile, erlernte Toleranz in der freien Natur haben?
- Wie könnte man weiter untersuchen, wann und wie das intrinsische Selbstgefühl entsteht?
Verwandte Artikel
Demografische Repräsentation beeinflusst Vertrauen in die Wissenschaft in den USA
Eine Studie in Nature Human Behaviour zeigt: Wer in der Forschung sichtbar ist, beeinflusst das Vertrauen verschiedener Gruppen in den USA. Repräsentation kann Vertrauen stärken, ist aber nicht der einzige Faktor.
Harze und Weinreste in Pompeji zeigen weiten Handel
Forscher analysierten Aschereste aus zwei Räuchergefäßen aus Pompeji und einer nahegelegenen Villa. Sie fanden regionale Pflanzen, ein exotisches Baumharz aus tropischen Regionen und ein Traubenprodukt, das auf rituellen Weingebrauch hinweist.
Wie Influenzaviren in lebende Zellen eindringen
Forschende aus der Schweiz und Japan beobachteten erstmals in hoher Auflösung, wie Influenzaviren lebende menschliche Zellen in einer Petrischale betreten. Die neue Mikroskopiemethode heißt ViViD-AFM und erlaubt Beobachtungen in Echtzeit.
Studie: Gehirnzustände unter Anästhesie sind vielfältig
Forscherinnen vergleichen Hirnaktivität unter Propofol‑Narkose mit Schlaf, REM, Koma und Wachheit. Die Ergebnisse zeigen, dass Anästhesie Schlaf und Koma ähneln kann, aber eigene Muster hat und deshalb klinisch überwacht werden sollte.