Eine neue Untersuchung, veröffentlicht in Imaging Neuroscience und durchgeführt im Labor von Theresa Desrochers am Carney Institute for Brain Science der Brown University, analysiert die Hirnaktivität bei Menschen mit Zwangsstörung (OCD) während einer kognitiv anspruchsvollen Sequenzaufgabe. Die Teilnehmenden sollten nacheinander die Farbe oder die Form von Bildern benennen, etwa "Farbe, Farbe, Form, Form". Hauptautorin Hannah Doyle berichtet, dass die Verhaltensleistung der Patientinnen und Patienten der Kontrollgruppe entsprach.
Trotz gleicher Leistung rekrutierten die Gehirne der Betroffenen mehr Regionen. Die zusätzliche Aktivität lag in Arealen, die mit motorischer und kognitiver Aufgabensteuerung, dem Arbeitsgedächtnis und der Objekterkennung verknüpft sind. Dazu gehören unter anderem der mittlere temporale Gyrus, der bei Arbeitsgedächtnis, semantischem Abruf und Sprachprozessen eine Rolle spielt, sowie ein Bereich, der Teile des Okzipitalgyrus und die temporookzipitale Übergangszone umfasst und die visuelle Reizverarbeitung unterstützt. Einige dieser Regionen waren zuvor nicht mit OCD assoziiert.
Nicole McLaughlin (Butler Hospital) sieht in den Befunden mögliche neue Ziele für die transkraniellen Magnetstimulation (TMS). TMS ist 2018 von der US‑FDA für OCD zugelassen worden und führt bei etwa 30–40% der Patientinnen und Patienten zu einer Besserung. Die Forschenden schlagen vor, die Position der TMS‑Spulen so anzupassen, dass die neu identifizierten Regionen gezielter angesprochen werden könnten.
Das Team betont, dass die Sequenzaufgabe Alltagssituationen besser abbildet und prüft nun, ob sie sich als Marker für Behandlungserfolge eignet: Wenn die Hirnaktivität von Patientinnen und Patienten während der Aufgabe derjenigen der Kontrollgruppe ähnlicher wird, könnte das ein Hinweis auf die Wirksamkeit von TMS sein. Gefördert wurde die Forschung vom National Institute of Mental Health und dem National Institute of General Medical Sciences.
Schwierige Wörter
- hirnaktivität — elektrische und metabolische Signale im Gehirn
- sequenzaufgabe — Aufgabe mit festgelegter Reihenfolge von Aktionen
- arbeitsgedächtnis — Kurzfristige Speicherung und Verarbeitung von Informationen
- reizverarbeitung — Verarbeitung von Sinnesinformationen im Gehirn
- transkranielle magnetstimulation — Nichtinvasive Behandlung mit Magnetfeldern am Kopftranskraniellen Magnetstimulation
- wirksamkeit — Grad, in dem eine Behandlung hilft
- assoziieren — mit etwas in Verbindung gebracht werdenassoziiert
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin, die Position der TMS‑Spulen so anzupassen, dass neue Hirnregionen gezielter angesprochen werden?
- Warum könnten Menschen mit OCD bei gleicher Leistung mehr Gehirnregionen aktivieren? Nennen Sie mögliche Erklärungen.
- Inwiefern eignet sich eine kognitiv anspruchsvolle Sequenzaufgabe Ihrer Meinung nach als praktischer Marker für Behandlungserfolge? Begründen Sie kurz.
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