In einer Studie, veröffentlicht in Nature Communications, befragten Forschende mehr als 1.000 Teilnehmende in 26 Ländern und dokumentierten, dass das Verbrennen von Plastik als Haushaltsbrennstoff in Städten in Afrika, Asien und Lateinamerika weit verbreitet ist. Die Umfrage ergab, dass mehr als ein Drittel der Befragten von der Praxis wusste; 16 Prozent berichteten, sie hätten selbst Plastik in ihren Wohnungen verbrannt, und über die Hälfte beschrieb die Praxis als in unterschiedlichem Ausmaß weit verbreitet.
Die Autorinnen und Autoren führen das Verhalten vor allem auf zwei Probleme zurück: Erstens ist die Müllabfuhr oft unregelmäßig oder ganz absent, und Plastik ist schwer zu entsorgen, weil es nicht verrottet und Schrottsammler nur bestimmte Arten annehmen. Zweitens bewirkt Energiearmut, dass Gas und Strom nicht verfügbar oder zu teuer sind, während Feuerholz und Holzkohle knapp oder kostspielig sind. In diesem Kontext wird Plastik zur zugänglichen und billigen Option; das Verbrennen findet häufig in Wohnungen oder informellen Bereichen statt und bleibt so in offiziellen Daten unsichtbar.
Die Studie listet häufig verbrannte Gegenstände (Flaschen, Tüten, Verpackungen, Chemikalienbehälter, Rohre, Geräteteile) und beschreibt Gesundheitsrisiken: unvollständige Verbrennung erzeugt feine Partikel, gefährliche organische Verbindungen und bei Kunststoffen wie PVC Dioxine und Furane. Eine Expertin erklärt, dass unkontrollierte Temperaturen in Haushaltsöfen zur Entstehung hochgiftiger Nebenprodukte führen können, die Oberflächen sowie Lebensmittel und Wasser kontaminieren; frühere Forschung fand entsprechende Giftstoffe in Hühnereiern an einem Elektroschrottplatz in Ghana.
Teilnehmende nannten die Verbesserung der Abfallwirtschaft in informellen Siedlungen als wichtigste Lösung, gefolgt von besserem Zugang zu sauberen Energietechnologien und Aufklärung. Expertinnen und Experten warnen davor, Verbote ohne brauchbare Alternativen durchzusetzen, weil dies den Schaden verschlimmern könnte. Eine Forscherin bezeichnet das Phänomen als Form ökologischer Ungerechtigkeit an den städtischen Rändern; die Autorinnen und Autoren sehen den nächsten Schritt im Nachweis lokaler Lösungen, die vor Ort tatsächlich funktionieren.
Schwierige Wörter
- haushaltsbrennstoff — Brennstoff, den Haushalte zum Heizen nutzen
- energiearmut — Mangel an bezahlbarer Energieversorgung
- abfallwirtschaft — Organisation der Müllsammlung und -entsorgung
- informelle Siedlung — enge, offiziell nicht geregelte Wohngebieteinformellen Siedlungen
- unvollständige Verbrennung — Brennen mit zu niedrigen oder falschen Temperaturen
- dioxin — sehr giftige chemische VerbindungenDioxine
- furan — toxische Nebenprodukte bei VerbrennungFurane
- ökologische Ungerechtigkeit — ungleiche Umweltbelastung für bestimmte Gruppenökologischer Ungerechtigkeit
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche praktischen Probleme könnten bei der Verbesserung der Abfallwirtschaft in informellen Siedlungen auftreten?
- Wie könnte verbesserter Zugang zu sauberen Energietechnologien das Verbrennen von Plastik reduzieren? Nenne zwei Beispiele.
- Warum warnen Expertinnen und Experten vor Verboten ohne brauchbare Alternativen? Begründe mit eigenen Worten.
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