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Oxytocin steigt bei Gruppenwettkämpfen (Level B2) — a screenshot of a video game

Oxytocin steigt bei GruppenwettkämpfenCEFR B2

13. Mai 2026

Adaptiert nach U. Zurich, Futurity CC BY 4.0

Foto von Mathieu Stern, Unsplash

Niveau B2 – Obere Mittelstufe
5 Min
242 Wörter

Forschende der Universität Zürich führten Fußballturniere mit dem indigenen Volk der Tsimane im bolivianischen Amazonasgebiet durch, weil Lebensstilfaktoren Hormone beeinflussen können und soziale Bindungen in stark interdependenten Gemeinschaften eine besondere Rolle spielen. Zur Analyse sammelte das Team Urinproben der Spielerinnen und Spieler unmittelbar vor und nach den Spielen, um Veränderungen im Oxytocinspiegel zu messen.

Die Daten zeigten ein differenziertes Muster: Oxytocin stieg am deutlichsten nach Partien gegen vertraute Rivalen. Bei Begegnungen mit Teams aus anderen Gemeinden fiel der Anstieg schwächer aus, während Partien gegen Nicht‑Tsimane‑Gegner erneut mit einem Anstieg verbunden waren. Dieses Muster legt nahe, dass Oxytocin auf die Wahrnehmung der gegnerischen Gruppe reagiert und besonders sensibel gegenüber vertrauten Konkurrenten sowie klar abgegrenzten Außengruppen ist.

Ein auffälliger Geschlechtsunterschied zeigte sich ebenfalls: Männer zeigten rund um die Spiele Veränderungen der Oxytocinwerte, bei Frauen blieben Werte vor und nach den Partien weitgehend gleich. Als mögliche Gründe nennen die Forschenden höhere Ausgangswerte bei einigen stillenden Frauen, selteneres Spielen von Frauen und die «male warrior hypothesis», wonach Männer evolutionär stärker auf Gruppenwettkämpfe ausgerichtet sein könnten. Eine wichtige Einschränkung der Studie ist, dass sie nicht klären kann, ob erhöhtes Oxytocin primär den Zusammenhalt im Team fördert oder die Konkurrenz gegenüber der gegnerischen Gruppe. Jaeggi weist zudem darauf hin, dass ähnliche Oxytocin‑Zusammenhänge bereits bei anderen Tierarten bis zu Schimpansen beschrieben wurden, was auf vergleichbare Mechanismen beim Menschen hindeutet. Die Forschung erscheint in den Proceedings of the Royal Society B und stammt von der Universität Zürich.

Schwierige Wörter

  • interdependentgegenseitig voneinander abhängig und stark verbunden
    interdependenten
  • oxytocinspiegelKonzentration des Hormons Oxytocin im Körper
  • urinprobekleine Menge Urin, die für Tests gesammelt wird
    Urinproben
  • rivaleeine bekannte Person oder Gruppe als Konkurrent
    Rivalen
  • außengruppeGruppe außerhalb der eigenen Gemeinschaft
    Außengruppen
  • stillenein Baby mit Muttermilch ernähren
    stillenden
  • ausgangswertAnfangs oder Basiswerte vor einer Messung
    Ausgangswerte

Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.

Diskussionsfragen

  • Die Forschenden nennen mögliche Gründe für geringe Oxytocin-Veränderungen bei Frauen (z. B. höhere Ausgangswerte, selteneres Spielen). Welche dieser Erklärungen erscheint Ihnen plausibel und warum?
  • Das Muster legt nahe, dass Oxytocin auf die Wahrnehmung der gegnerischen Gruppe reagiert. Welche sozialen Folgen könnte das in stark vernetzten Gemeinschaften haben?
  • Die Autorin verweist auf ähnliche Befunde bei Schimpansen. Was sagt das Ihrer Meinung nach über die Rolle von Evolution bei Gruppenverhalten des Menschen?

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