Eine internationale Multi‑Site‑Studie unter der Leitung von Forschenden wie Aaron Hipp replizierte frühere Befunde zur Wirkung von Naturbildern und -videos. Die Motivation war es, die Ergebnisse von Roger Ulrich aus dem Jahr 1991 mit aktuellen Videomedien und verbesserten Methoden erneut zu prüfen. Labore in Europa und den USA rekrutierten nahezu 1.000 Teilnehmende.
Das Versuchsdesign war standardisiert: Zuerst sahen alle Teilnehmenden ein zehnminütiges Stressvideo mit Arbeitsunfällen, um psychologischen und physiologischen Stress auszulösen. Anschließend wurden sie zufällig einer von sechs zehnminütigen Umweltvideos zugeteilt: zwei Naturszenen (Wald, Bach) und vier städtische Szenen (z. B. Fußgängerzonen, Verkehr). Gemessen wurde mit Fragebögen zu Furcht, Zorn, positiven Gefühlen, Traurigkeit und Aufmerksamkeit sowie mit Sensoren für Herzaktivität, Schwitzen und Herzratenvarianz.
Das Stressvideo löste deutlich erhöhte Angst, Zorn und Traurigkeit, eine verminderte positive Stimmung und verringerte Aufmerksamkeit sowie physiologische Stresszeichen aus. Nach dem Betrachten der Naturszenen berichteten Teilnehmende mehr positive Gefühle und weniger Zorn als bei städtischen Szenen. Die physiologischen Werte verbesserten sich im Zeitverlauf jedoch unabhängig von der gezeigten Umgebung, sodass die Studie insgesamt keine schnellere körperliche Erholung nach Naturvideos nachwies, anders als die Untersuchung von 1991.
Innerhalb der Naturszenen gab es Unterschiede: Das Waldvideo wirkte beruhigender und entspannender, das Bachvideo zeigte kaum Vorteile, möglicherweise wegen störender Wassergeräusche. Hipp betont, dass die Effekte mental zwar klein sind, aber konsistent auftreten. Angesichts der Tatsache, dass mehr als 100 Millionen Menschen, darunter 28 Millionen Kinder, keinen Park in einem zehnminütigen Fußweg haben, sehen die Forschenden Naturvideos als leicht zugängliches Mittel zur Unterstützung des psychischen Wohlbefindens. Sie sind über Plattformen wie YouTube oder TikTok verfügbar und lassen sich in Klassenräumen, Wartezimmern und anderen gebauten Umgebungen einsetzen.
- Studienart: internationale Multi‑Site‑Replikation
- Teilnehmende: nahezu 1.000
- Vergleich: Natur- versus Stadtvideos
Schwierige Wörter
- replizieren — ein Ergebnis mit neuer Studie wiederholenreplizierte
- multi-site-studie — Untersuchung an mehreren Forschungseinrichtungen zugleichMulti‑Site‑Studie
- standardisiert — nach gleichen Regeln oder Verfahren gemacht
- herzratenvarianz — Schwankungen der Zeit zwischen Herzschlägen
- physiologisch — den Körper betreffend, nicht die Psychephysiologische
- erholung — Wiederherstellung des körperlichen Zustands nach Stress
- rekrutieren — Menschen für eine Studie suchen und aufnehmenrekrutierten
- zufällig — ohne bestimmte Reihenfolge; nach dem Zufall
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Inwiefern können Naturvideos echte Aufenthalte im Freien ersetzen? Nennen Sie Vor- und Nachteile mit Bezug auf die Befunde im Text.
- Wie würden Sie den Einsatz von Naturvideos in Schulen oder Wartezimmern praktisch gestalten? Beschreiben Sie konkrete Ideen.
- Welche Änderungen an Versuchdesign oder Messungen würden Sie vorschlagen, um Effekte auf die körperliche Erholung klarer nachzuweisen?
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