Eine neue Studie legt nahe, dass Forschende die Zahl der Wirbeltierarten auf der Erde unterschätzt haben könnten. Im Durchschnitt fanden die Autorinnen und Autoren heraus, dass es pro anerkannter Wirbeltierart etwa zwei kryptische Arten geben kann. John Wiens, Professor an der University of Arizona und Seniorautor der Studie, sagt, das könnte bedeuten, dass es möglicherweise doppelt so viele Arten gibt wie bisher angenommen. Er warnt außerdem, dass viele dieser verborgenen Arten bereits vom Aussterben bedroht sein könnten.
Kryptische Arten sehen äußerlich nahezu identisch aus, doch ihre DNA zeigt, dass sie zu getrennten genetischen Linien gehören. Wiens erklärt, dass viele dieser kryptischen Arten wahrscheinlich seit einer Million Jahren oder länger getrennt voneinander evolvieren. Fortschritte in der molekularen Sequenzierung haben den DNA-Vergleich zwischen Populationen erleichtert und günstiger gemacht, sodass Forschende verborgene Vielfalt aufdecken können.
Erstautor Yinpeng Zhang, ein Graduiertenstudent, begann vor drei Jahren mit dem Projekt. Das Team synthetisierte Ergebnisse aus mehr als 300 Studien weltweit und verglich verschiedene Methoden zur Schätzung kryptischer Arten. Ein lokales Beispiel ist die Arizona mountain kingsnake: 2011 zeigten molekulare Daten Unterschiede, und die südliche Population wurde als Lampropeltis knoblochi statt als Unterart von Lampropeltis pyromelana eingestuft.
Die Studie betont Folgen für den Naturschutz: Wenn eine weit verbreitete Art in mehrere kryptische Arten aufgespalten wird, hat jede neue Art ein kleineres Verbreitungsgebiet. Untersuchungen zeigen, dass Arten mit kleinerem Verbreitungsgebiet eher aussterben. Nur wenige kryptische Arten sind formell beschrieben oder benannt und haben daher keinen offiziellen rechtlichen Schutz. Zhang warnt außerdem, dass verborgene Vielfalt dazu führen kann, dass Manager unbeabsichtigt unterschiedliche Arten kreuzen. Wiens sagt: "Wenn wir eine Art nicht kennen, können wir sie nicht schützen." Die Studie erscheint in Royal Society Publishing: Proceedings B. Quelle: University of Arizona.
Schwierige Wörter
- Wirbeltierart — Tierart mit einem Rückgrat oder WirbelsäuleWirbeltierarten
- kryptisch — Äußerlich gleich, aber genetisch verschiedenkryptische, kryptischen
- evolvieren — Sich über lange Zeit verändern und entwickeln
- Sequenzierung — Bestimmung oder Analyse von DNA-Folgen
- Verbreitungsgebiet — Gebiet, in dem eine Art lebt
- aussterben — Aufhören zu existieren; keine Individuen mehr
- genetisch — Mit Erbinformation oder DNA zusammenhängendgenetischen
- synthetisieren — Ergebnisse zusammenfassen, vergleichen und bewertensynthetisierte
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie könnten Naturschutzpläne verändert werden, wenn eine Art in mehrere kryptische Arten aufgeteilt wird?
- Welche Nachteile hat es, wenn kryptische Arten nicht formell beschrieben oder benannt sind?
- Was könnten Forschende oder Behörden tun, um verborgene Arten besser zu schützen?
Verwandte Artikel
Klimawandel reduziert Honigproduktion in Nord-Kivu
In Nord-Kivu um Butembo produzieren Bienen weniger Honig, weil Blumen und Nektar knapp sind. Auf den Märkten stieg der Preis von USD 7 (erste Hälfte 2025) auf USD 10–12 (erste Hälfte 2026); Experten fordern Aufforstung und moderne Imkerei.
Gewebeverlustkrankheit bedroht karibische Korallen
Das Institute of Marine Affairs warnt vor der Gewebeverlustkrankheit (SCTLD), die Korallenriffe in der Karibik stark schädigt und vermutlich bald Tobago erreichen wird. Behörden bereiten sich vor, schulen Personal und rufen zu Meldungen und Schutzmaßnahmen auf.
Studie: Wenig Vielfalt in Zulassungsstudien für Arzneimittel
Eine Studie zeigt, dass nur ein kleiner Teil der entscheidenden klinischen Studien die rassische und ethnische Vielfalt der USA widerspiegelt. Forschende fordern mehr Teilnehmende mit unterschiedlichem genetischen Hintergrund schon in frühen Phasen.
Künstliche Biberdämme stärken Flussgebiete
Wissenschaftler untersuchten viele Studien und fanden, dass künstliche Nachahmungen von Biberdämmen Gewässer kühler machen, mehr Wasser speichern und die Artenvielfalt fördern können. Solche Projekte wachsen, obwohl noch Forschungsfragen offen sind.