Forschende begleiteten 252 junge Erwachsene aus sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten über einen Zeitraum von acht Tagen und sammelten mehr als 4.300 Echtzeitberichte zu Gefühlen, Identitätserfahrungen und sozialen Interaktionen. Die Stichprobe bestand überwiegend aus bi+ cisgender Frauen und nichtbinären Personen, die bei der Geburt als weiblich zugeordnet wurden. Die Untersuchung wurde von Sienna Nielsen, einer Psychologiestudierenden an der University of Michigan, geleitet.
Das Team analysierte Momente, in denen Teilnehmende ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität verbargen oder offenlegten, und setzte diese Beobachtungen in Beziehung zu Selbstvertrauen, Klarheit über das eigene Ich sowie zu emotionaler Belastung. Die Ergebnisse zeigen, dass das Verbergen der Identität mit größerer emotionaler Belastung und geringerem Selbstvertrauen verbunden war, während Offenheit häufiger mit stärkerer Selbstklarheit und positiveren Gefühlen einherging. Nielsen fasst dies so: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass tägliche Erfahrungen in Bezug auf die Sichtbarkeit der Identität eine wichtige Rolle für das emotionale Wohlbefinden spielen können."
- Verbergen → mehr emotionale Belastung, weniger Vertrauen ins Selbst.
- Offenheit → mehr Selbstklarheit, positivere Gefühle.
- Keine direkte Verbindung zu Depressionssymptomen in der Untersuchungszeit; negative Gefühle wirkten indirekt bei Druck zum Verbergen.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass sich gewöhnliche Interaktionen über die Zeit aufsummieren und die psychische Gesundheit beeinflussen können. Sie empfehlen den Aufbau starker queerer Gemeinschaften, um den schädlichen Folgen des Verbergens entgegenzuwirken, insbesondere vor dem Hintergrund intensiver anti‑LGBTQ+-Haltungen und legislativer Maßnahmen. Die Studie erschien in Clinical Psychological Science; Coautoren stammen von der University of Michigan und der University of Pittsburgh. Die Forschung wurde vom University of Pittsburgh Clinical and Translational Science Institute unterstützt.
Schwierige Wörter
- begleiten — mit jemandem zeitweise zusammen sein und unterstützenbegleiteten
- echtzeitbericht — Bericht, der Gefühle sofort und aktuell beschreibtEchtzeitberichte
- verbergen — etwas absichtlich nicht zeigen oder versteckenverbargen
- offenlegen — etwas sichtbar machen oder offen sagenoffenlegten
- selbstvertrauen — Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten und Werte
- selbstklarheit — Wissen darüber, wer man selbst ist
- belastung — starker psychischer oder emotionaler Druckemotionaler Belastung, emotionale Belastung
- stichprobe — Gruppe von Personen in einer Studie
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie könnten starke queere Gemeinschaften nach dem Artikel das emotionale Wohlbefinden verbessern?
- Welche täglichen Erfahrungen nennen die Autorinnen und Autoren, die sich über die Zeit aufsummieren und die psychische Gesundheit beeinflussen können?
- Welche konkreten Maßnahmen könnten Schulen oder Arbeitgeber ergreifen, um Druck zum Verbergen der Identität zu reduzieren?
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