Forschende mehrerer Universitäten führten eine groß angelegte Studie durch, um zu prüfen, ob eine Smartphone‑App in Kombination mit persönlichem Coaching per SMS Depressionen, Angststörungen und Essstörungen bei Studierenden reduziert. Mehr als 6.200 Hochschulstudierende nahmen teil; Symptome wurden nach sechs Wochen, sechs Monaten und zwei Jahren bewertet. Die Ergebnisse wurden in Nature Human Behavior veröffentlicht.
Die getestete App bietet eine digitale Form der kognitiven Verhaltenstherapie: Nutzerinnen und Nutzer bearbeiten interaktive Module mit psychoedukativem Inhalt und Übungen, während Coaches den Fortschritt überwachen und personalisiertes Feedback per SMS senden. Studierende, die App und Coaching erhielten, berichteten zu allen drei Messzeitpunkten über weniger Symptome und waren häufiger frei von jeglichen psychischen Störungen als die Vergleichsgruppe, die nur eine Überweisung zu campusinternen Beratungsstellen bekam.
Ein wichtiger Vorteil war die bessere Nutzungsrate: Fast 75% der Studierenden, die die App erhielten, nutzten sie mindestens einmal; dagegen gaben nur 30% der Überweisungsgruppe an, in den folgenden sechs Monaten irgendeine psychische Behandlung erhalten zu haben. Die höhere Nutzung zeigte sich in verschiedenen Studierendengruppen, auch bei solchen aus benachteiligten Verhältnissen. Die Forschenden betonen, dass die App die universitäre Beratung nicht ersetzen soll, sondern Zugangsbarrieren abbauen und evidenzbasierte Versorgung erweitern will.
Die in der Studie eingesetzte App nutzt keine generative künstliche Intelligenz. Die American Psychological Association empfahl im November 2025, generative AI‑Chatbots und Wellness‑Apps nicht als Ersatz für reguläre Behandlung zu verwenden. Separat leiten Fitzsimmons‑Craft und Wilfley ein fünfjähriges $3.7 million NIH‑Projekt zur Entwicklung einer selbstgeführten, chatbotbasierten Intervention gegen Essstörungen, das regelbasierte AI nutzt. Das Anfangsscreening an den Campus umfasste 39,194 Studierende; knapp die Hälfte wurde als betroffen oder hoch gefährdet identifiziert. Die Arbeit wurde vom National Institute of Mental Health unterstützt und ganz oder teilweise von den National Institutes of Health finanziert.
Schwierige Wörter
- Verhaltenstherapie — Psychotherapeutische Methode mit praktischen Übungenkognitiven Verhaltenstherapie
- psychoedukativ — Erklärt psychische Probleme und gibt Informationenpsychoedukativem
- Nutzungsrate — Anteil der Personen, die etwas verwenden
- Zugangsbarriere — Hindernisse beim Zugang zu Hilfe oder AngebotenZugangsbarrieren
- Versorgung — Medizinische oder psychische Hilfe mit wissenschaftlicher Grundlageevidenzbasierte Versorgung
- künstliche Intelligenz — Computerprogramme, die eigenständig Inhalte erzeugengenerative künstliche Intelligenz
- Überweisungsgruppe — Gruppe, die nur eine Überweisung zu Beratungsstellen erhielt
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Glauben Sie, dass eine App mit SMS‑Coaching Zugangsbarrieren zu psychischer Hilfe an Hochschulen wirkungsvoll reduzieren kann? Begründen Sie Ihre Meinung.
- Welche Vorteile und welche Risiken sehen Sie beim Einsatz von generativer versus regelbasierter KI in Gesundheits‑Apps?
- Wie sollten Universitäten digitale Angebote wie in der Studie mit traditionellen Beratungsstellen kombinieren?
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