Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Mental Health, basieren auf großen bevölkerungsweiten Aufzeichnungen und erhielten US‑Bundesmittel. Ein Team unter Leitung von Leah Richmond‑Rakerd analysierte Verwaltungsdaten von fast 5 Millionen Menschen in Norwegen und Neuseeland. Psychische Erkrankungen wurden aus Primärversorgungs- und stationären Krankenhausdaten identifiziert; Verletzungen wurden zusätzlich über Schadenersatzansprüche aus Unfallversicherungen erfasst. Die Nachbeobachtung reichte über 14 bis 30 Jahre.
Die Studie zeigt ein breites Muster: Personen mit psychischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für selbstverletzende und durch Gewalt verursachte Verletzungen sowie für unabsichtliche Verletzungen wie Stürze und Verkehrsunfälle. Besonders ausgeprägt waren die Verbindungen zu Kopf‑ und Gehirnverletzungen. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, wenn frühere Verletzungen und der sozioökonomische Hintergrund berücksichtigt wurden.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Verletzungsprävention untererkannt sind. Sie empfehlen eine stärkere Integration von Gesundheitsversorgung und Public‑Health‑Maßnahmen, mehr Psychoedukation zu Verletzungsrisiken und die Nutzung von Akutbegegnungen, etwa stationären psychiatrischen Aufnahmen, als Gelegenheiten für Interventionen. Außerdem wird ein Bedarf an verbesserter öffentlich‑gesundheitlicher Überwachung genannt, um Verletzungen in dieser Gruppe besser zu verfolgen und zu verhindern.
- Gefördert unter anderem vom US National Institute on Aging
- US National Institute of Child Health and Human Development
- UK Medical Research Council und Research Council of Norway
Schwierige Wörter
- psychische Erkrankung — seelische Gesundheitsstörung mit psychischen SymptomenPsychische Erkrankungen
- primärversorgung — erste medizinische Versorgung durch Hausärzte oder KlinikenPrimärversorgungs-
- nachbeobachtung — Zeitraum, in dem Teilnehmende weiter beobachtet werden
- verletzungsprävention — Maßnahmen, um Verletzungen zu verhindern
- schadenersatzanspruch — formaler Antrag auf Geld für erlittene SchädenSchadenersatzansprüche
- akutbegegnung — kurzfristige medizinische oder psychiatrische AufnahmeAkutbegegnungen
- integration — Zusammenführung verschiedener Gesundheitsdienste und Maßnahmen
- stationär — in einem Krankenhaus aufgenommen oder behandeltstationären
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Diskussionsfragen
- Warum könnten Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Verletzungsprävention untererkannt sein? Nennen Sie zwei mögliche Gründe.
- Wie könnte die stärkere Integration von Gesundheitsversorgung und Public‑Health‑Maßnahmen in Ihrer Region praktisch aussehen? Geben Sie konkrete Beispiele.
- Welche Chancen und welche Schwierigkeiten sehen Sie darin, stationäre psychiatrische Aufnahmen als Gelegenheiten für Interventionsprogramme zu nutzen?
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