Die randomisierte Studie ACTIVE untersuchte, ob kognitives Training langfristig die Demenzhäufigkeit verändert. 2.802 Erwachsene wurden 1998–1999 zufällig Gruppen für Gedächtnis-, Reasoning- oder Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining oder eine Kontrollgruppe ohne Training zugeteilt. In den drei Trainingsarmen gab es bis zu zehn Sitzungen à 60–75 Minuten über fünf bis sechs Wochen; die Hälfte der Teilnehmenden wurde zufällig für bis zu vier Booster-Sitzungen nach 11 und 35 Monaten ausgewählt.
Für die 20-Jahres-Nachuntersuchung analysierten die Forschenden Medicare-Daten von 2.021 Teilnehmenden (1999–2019). Die Gruppe war zu Studienbeginn im Mittel 74 Jahre alt, drei Viertel waren Frauen und 70% waren weiß. Etwa drei Viertel der Teilnehmenden starben während der Nachverfolgung, im Durchschnitt mit 84 Jahren.
Die Auswertung ergab, dass in der Verarbeitungsgeschwindigkeit-Gruppe mit Boostern 105 von 264 Teilnehmenden (40%) eine Demenzdiagnose erhielten, gegenüber 239 von 491 (49%) in der Kontrollgruppe. Das entspricht einer um 25% reduzierten Inzidenz und war der einzige Trainingsarm mit einem statistisch signifikanten Effekt. Frühere ACTIVE-Befunde zeigten zudem verbesserte Alltagsfunktionen bis zu fünf Jahren und generelle Vorteile bis zu zehn Jahren; zehn Jahre nach dem Speed-Training war die Demenzinzidenz um 29% niedriger, und jede Booster-Sitzung war mit weiteren Risikoreduzierungen verbunden.
Die Autorinnen und Autoren erklären die Wirksamkeit des Speed-Trainings damit, dass es adaptiv an die Leistung der einzelnen Person angepasst wird und implizites Lernen fördert, anders als Gedächtnis- oder Reasoning-Programme. Marilyn Albert, korrespondierende Autorin, nannte den langfristigen Zusammenhang bemerkenswert und wies auf die volksgesundheitliche Bedeutung selbst kleiner Verzögerungen des Demenzbeginns hin. Die Studie erschien in Alzheimer’s & Dementia: Translational Research and Clinical Interventions und wurde durch NIH-Stipendien des National Institute on Aging finanziert.
Schwierige Wörter
- randomisiert — Zufällige Einteilung von Personen in Gruppenrandomisierte
- demenzhäufigkeit — Häufigkeit von Demenz in einer Population
- verarbeitungsgeschwindigkeitstraining — Training, um Denk- und Reaktionsgeschwindigkeit zu verbessern
- booster-sitzung — Zusätzliche Auffrischungssitzung nach dem ErsttrainingBooster-Sitzungen
- inzidenz — Anzahl neuer Krankheitsfälle in einer Zeit
- signifikant — Statistisch nachweisbar, nicht nur durch Zufallsignifikanten
- implizit — Ohne bewusste Absicht oder explizite Anleitungimplizites
- volksgesundheitlich — Bezogen auf die Gesundheit der gesamten Bevölkerungvolksgesundheitliche
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Diskussionsfragen
- Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin, kognitives Speed-Training zur Verringerung von Demenzrisiken einzusetzen?
- Warum könnten Booster-Sitzungen wichtig für langfristige Effekte sein? Nennen Sie mögliche Gründe.
- Welche Bedeutung haben selbst kleine Verzögerungen des Demenzbeginns für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem?
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