Im Exil: Psychische Hilfe als stiller WiderstandCEFR B2
18. Nov. 2025
Adaptiert nach Exile Hub, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Wietse Jongsma, Unsplash
Nach dem Militärputsch im Februar 2021 verließen viele Menschen Myanmar und suchten Schutz im Exil. In dieser Lage entstand Exile Hub, ein Partner von Global Voices in Südostasien, der Angebote zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung (MHPSS) bereitstellt und Menschen mit ausgebildeten Fachkräften verbindet.
Lucas wuchs in Mandalay als Jüngster von fünf Kindern auf. Er studierte Mikrobiologie an der Yadanabon University und leitete später das Gummiproduktionsunternehmen seiner Familie. In seiner Jugend trainierte er Tennis und träumte von den Olympischen Spielen, doch Korruption und Vetternwirtschaft verschlossen ihm Türen und lehrten ihn frühe Belastbarkeit. Nach dem Putsch brach die Wirtschaft zusammen; er verlor sein Geschäft, seine Mutter starb und die geplante neue Ehe seines Vaters ließ ihn weniger verwurzelt zurück. Im Jahr 2022 verließ Lucas sein Land.
Im Exil übernahm er handwerkliche Jobs in einem Land, dessen Sprache er nicht beherrschte. Die Erfahrung war demütigend und sehr einsam und trug zu starker psychischer Belastung bei. In Gesprächen mit einem Freund, der Psychologie gelernt hat, erkannten sie eine große Lücke: In den Gemeinschaften aus Myanmar gab es kaum Ressourcen und ein starkes Stigma gegenüber psychischen Problemen. Aus dieser Einsicht gründete Lucas im Oktober 2022 den YouTube‑Kanal Saite. Saite will junge Menschen erreichen, praktische Bewältigungsstrategien bieten und Resilienz fördern; der Kanal hat fast 9.000 Abonnenten, und die ersten animierten Videos entstanden allein mit seinem Handy.
Lucas fasst die Arbeit mit dem Motto zusammen: „Mit dem arbeiten, was wir haben, statt auf das zu achten, was uns fehlt.“ Für ihn und andere im Exil ist das Schaffen von Räumen für Heilung eine Form des Widerstands, die Gemeinschaften stärkt und verhindert, dass Menschen gegeneinander ausgespielt werden.
Schwierige Wörter
- militärputsch — Gewaltsame Übernahme der Regierung durch das Militär
- exil — Leben außerhalb des eigenen Heimatlandes
- psychosozial — Bezieht sich auf psychische und soziale Hilfepsychosozialen
- vetternwirtschaft — Begünstigung von Verwandten bei Arbeit oder Macht
- resilienz — Fähigkeit, nach Schwierigkeiten wieder stark zu werden
- stigma — Negative gesellschaftliche Bewertung von Menschen mit Problemen
- bewältigungsstrategie — Geplante Methode, um mit Problemen umzugehenBewältigungsstrategien
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie können Online‑Kanäle wie Saite deiner Meinung nach Menschen im Exil konkret helfen? Nenne Beispiele.
- Welche Hindernisse gibt es deiner Ansicht nach für psychische Gesundheitsangebote in geflüchteten Gemeinschaften, und wie könnte man sie verringern?
- Was bedeutet das Motto „Mit dem arbeiten, was wir haben, statt auf das zu achten, was uns fehlt.“ für Projekte in schwierigen Situationen? Gib zwei mögliche Folgen.
Verwandte Artikel
Ungleiche Gesundheitsfolgen der Industriellen Revolution in England
Eine Studie in Science Advances zeigt, dass die Industrielle Revolution in England ungleichmäßige gesundheitliche Folgen hatte. Forschende verglichen Skelettreste aus zwei Gemeinden und fanden höhere Arsen‑ und Bariumwerte bei Frauen in South Shields.
Rezession 2008 veränderte Klassenidentität in den USA
Neue Forschung zeigt: Die Rezession 2008 brachte viele Amerikaner dazu, sich einer niedrigeren sozialen Klasse zuzuordnen. Eine Studie, geleitet von Stephen Antonoplis, nutzte vier Datensätze mit rund 165.000 Menschen über Jahrzehnte.
Menschen mit Behinderungen in Kenia und Nigeria leiden unter COVID‑19
In armen Stadtteilen von Kenia und Nigeria verschlechterte die COVID‑19‑Pandemie den Zugang zu Gesundheit und Arbeit. Kliniken schlossen, Medikamente wurden teurer und viele Menschen mit Behinderungen verloren Einkommen oder wichtige Behandlungen.