Forschende der Washington University in St. Louis veröffentlichten im Journal of Biological Rhythms eine Studie, die zeigt, dass die Mutter die zirkadiane Uhr ihrer ungeborenen Kinder mitprägt. Sie entwickelten eine Methode, um Uhraktivität bei Föten in genetisch veränderten Mäusen sichtbar zu machen: Ein Uhrprotein wurde mit Luciferase markiert, und schwanger gewordene Mäuse tranken eine Chemikalie, die das Protein zum Leuchten brachte. Empfindliche Kameras dokumentierten die Leuchtsignale.
Das Team beobachtete klare Tag‑Nacht‑Rhythmen bei den Jungtieren in der letzten Schwangerschaftswoche, die mit dem Ruhe‑Aktivitäts‑Rhythmus der Mutter synchronisiert waren. Tägliche Rhythmen wurden bereits über die Plazenta nachgewiesen, bevor der Fötus Licht wahrnehmen kann, was darauf hindeutet, dass die Mutter Zeitgeber sendet.
Die Forschenden führen das Timing auf maternale Glukokortikoide zurück, die die Plazenta passieren können. Bei Verabreichung synthetischer Glukokortikoide synchronisierten sich die Uhren schneller. Außerdem fanden sie einen Zusammenhang zwischen fehlender Uhrgenaktivität im Fötus und dem Ausbleiben der Geburt, dessen Bedeutung noch unklar ist. Stabile Tagesrhythmen während der Schwangerschaft könnten wichtig für die Entwicklung sein.
Schwierige Wörter
- plazenta — Organ zwischen Mutter und Fötus
- glukokortikoid — Hormone, die Stressreaktionen im Körper beeinflussenGlukokortikoide
- synchronisieren — zwei Dinge zur gleichen Zeit bringensynchronisiert, synchronisierten
- zeitgeber — Signal, das biologische Uhr stellt
- leuchtsignal — Licht, das man messen oder sehen kannLeuchtsignale
- fötus — ungeborenes Kind, das noch wächstFöten
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Warum könnten stabile Tagesrhythmen während der Schwangerschaft wichtig für die Entwicklung sein? Nennen Sie zwei Gründe.
- Wie würden Sie einer schwangeren Person kurz erklären, dass die Mutter Zeitgeber an den Fötus sendet?
- Sollte man vorsichtig sein beim Einsatz synthetischer Glukokortikoide in der Schwangerschaft? Warum (kurze Begründung)?
Verwandte Artikel
Thalamus und molekulare Zeitgeber steuern Gedächtnis
Neue Studie zeigt, dass mehrere molekulare Zeitgeber in verschiedenen Hirnregionen, darunter der Thalamus, entscheiden, ob kurze Eindrücke zu langfristigen Erinnerungen werden. Das ersetzt die Vorstellung eines einfachen Ein‑Aus‑Schalters.
Forscher kartieren den Zellzyklus von Toxoplasma
Forscher passten ein fluoreszierendes Bildgebungssystem an und beobachteten Toxoplasma gondii in Echtzeit. Sie fanden das Protein PCNA1, kartierten den ungewöhnlichen Zellzyklus und wollen nun Schwachstellen für neue Behandlungen suchen.
Studie: Alternative Medizin und Überleben bei Brustkrebs
Eine große Studie zeigt, dass Patientinnen mit Brustkrebs, die nur alternative Medizin nutzen, schlechtere Überlebenschancen haben. Auch Patientinnen, die alternative Methoden zusätzlich zu traditionellen Behandlungen verwenden, hatten ein erhöhtes Sterberisiko.
Rauchen beschleunigt Alterung im Auge
Eine Studie zeigt, dass Zigarettenrauch das Altern der Netzhautzellen beschleunigt und zur altersbedingten Makuladegeneration (AMD) beitragen kann. Forschende verglichen Mäusezellen und menschliche Augen‑Zellen und fanden epigenetische Veränderungen und gemeinsame Genveränderungen.
Training der Verarbeitungsgeschwindigkeit reduziert Demenzrisiko
Ältere Erwachsene, die ein Training zur Verarbeitungsgeschwindigkeit machten und später Auffrischungen erhielten, hatten in einer 20-Jahres-Studie eine geringere Wahrscheinlichkeit, mit Demenz diagnostiziert zu werden.