Eine jüngste Eskalation im Nahen Osten hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt und die Ölpreise erhöht. Diese Faktoren stören globale Ernährungssysteme, weil ein erheblicher Teil der verschifften Dünger über diese Route läuft. Bei einem Pressebriefing am 17. April, organisiert von CIEL und IPES‑Food, warnten Expertinnen und Experten, dass die Folge steigende Lebensmittelpreise und wachsender Hunger sein werden; auch Weltbank, IWF und das Welternährungsprogramm äußerten entsprechende Sorgen.
Olivier De Schutter verwies auf die akute Lage in Afrika, wo bereits 673 Millionen Menschen hungern, und schätzte, dass höhere Preise etwa 45 Millionen zusätzliche Hungrige bedeuten könnten. Als Antwort forderten die Vortragenden eine beschleunigte Umstellung auf Agroökologie. Diese setzt auf biologische Methoden wie Fruchtfolge, Kompost und Mist sowie auf stickstoffbindende Pflanzen (zum Beispiel Kichererbsen, Bohnen, Linsen, Luzerne oder Klee), um die Resilienz armer Länder zu stärken.
Praktische Vorschläge umfassen mehr lokale Produktion zur Deckung des Verbrauchs, weniger Verarbeitung und Verpackung sowie die Entwicklung lokaler Bio‑Dünger aus organischen Abfällen. Ein konkretes Beispiel sind die Philippinen, die Schwarze Soldatenfliegen‑Larven für Bio‑Dünger nutzen. De Schutter kritisierte außerdem den zu engen Fokus auf Bio‑Dünger im Africa Fertiliser and Soil Health Action Plan 2024‑2034.
Als Hindernisse für einen schnellen Wandel nannten Expertinnen und Experten hohe Subventionen für chemische Dünger in Südasien (die indischen Subventionen werden dieses Jahr voraussichtlich US$12.7 billion erreichen, gegenüber US$10.9 billion zuvor) sowie die Marktbeherrschung durch wenige Konzerne. Fadhel Kaboub warnte, vier Konzerne kontrollierten etwa 70 Prozent des globalen Getreidemarkts und beeinflussten damit Dünger und Logistik. Das erschwert den Übergang weg von chemischen Düngern und fossilen Brennstoffen.
Schwierige Wörter
- eskalation — plötzliche Verschärfung eines Konflikts oder Konfliktzustands
- resilienz — Fähigkeit, sich nach Problemen zu erholen
- agroökologie — landwirtschaftliche Methode mit ökologischen Praktiken
- stickstoffbindend — Pflanzen, die Stickstoff aus Luft bindenstickstoffbindende
- fruchtfolge — abwechselnder Anbau verschiedener Feldfrüchte auf Feldern
- biodünger — Dünger aus organischen oder biologischen QuellenBio‑Dünger
- subvention — staatliche finanzielle Unterstützung für Produkte oder ProduktionSubventionen
- marktbeherrschung — übermäßige Kontrolle eines Marktes durch wenige Anbieter
- konzern — großes Unternehmen mit mehreren TochterfirmenKonzerne
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Diskussionsfragen
- Welche Vor- und Nachteile könnte eine beschleunigte Umstellung auf Agroökologie für arme Länder haben?
- Wie könnten lokale Bio‑Dünger aus organischen Abfällen die Abhängigkeit von internationalen Konzernen verringern?
- Welche Maßnahmen könnten Regierungen ergreifen, um hohe Subventionen für chemische Dünger zu reduzieren, ohne den Hunger zu verschärfen?
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