Mit zwölf nach Kolumbien: Sofa9a erzähltCEFR B2
26. Okt. 2025
Adaptiert nach Melissa Vida, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von David Restrepo, Unsplash
Sofa9a (Pseudonym) schildert die Migration ihrer Familie von Venezuela nach Kolumbien und die schwierigen Erfahrungen unterwegs. Sie war zwölf Jahre alt, als ihre Mutter die Entscheidung traf. Am 13. Januar 2021 überquerten sie den Río Arauca und reisten nach Saravena in Arauca, einer Region, durch die viele Migrantinnen und Migranten ziehen oder sich niederlassen. Die venezolanische Auswanderung stieg wegen einer Wirtschaftskrise, Engpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten, wachsender Unsicherheit sowie begrenzten Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten; im Jahr 2021 migrierten etwa 1.84 Millionen Menschen nach Kolumbien, und das UNHCR schätzt, dass bis 2025 möglicherweise 7.9 Millionen Venezuela verlassen haben könnten.
Nach dem Grenzübertritt bezahlten Sofa9a und ihre Mutter 130,000 pesos pro Person für eine Autofahrt (etwa USD 33). Später erfuhren sie, dass der übliche Fahrpreis ungefähr 40,000 pesos (USD 10) betrug. In Kolumbien arbeitete die Mutter zunächst als Straßenverkäuferin ohne formelle Papiere; ihre Gesundheit war fragil, und die Arbeit war schlecht bezahlt. Im April 2021 wurde sie auf die Intensivstation eingeliefert. Nach vielen Behandlungen und mit nur Sofa9a an ihrer Seite stimmte das Krankenhaus schließlich zu, die Ausgaben zu übernehmen.
Später fand die Mutter eine formelle Arbeit, doch das Gehalt lag bei etwa 300,000 pesos (USD 76) pro Monat. Der monatliche Mindestlohn betrug zu dieser Zeit 908,000 pesos (USD 231), sodass die Differenz von 608,000 pesos (USD 155) die Familie in eine schwierige Lage brachte. 2022 führte die kolumbianische Regierung die Temporary Protection Permit ein, die den Zugang zu Gesundheitsdiensten und die Registrierung bei einer EPS ermöglicht. Sie erledigten die Formalitäten, doch wurde nur ein Antrag genehmigt. Anfang 2023 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Mutter, und sie kehrten nach Venezuela zurück.
Während ihres Aufenthalts in Kolumbien erfuhren sie sowohl Solidarität von vielen Menschen und Organisationen als auch Xenophobie und Stigmatisierung. Behörden und Gruppen arbeiteten an Aufklärungsprogrammen, Menschenrechtsvertretung und der Förderung des friedlichen Zusammenlebens. Aus diesen Erfahrungen zog Sofa9a die Lehre, dass Staatsangehörigkeit nicht die Identität oder den Wert einer Person bestimmt; sie würdigt die Menschen, die ihnen halfen und ihre Zeit in Kolumbien weniger bitter machten.
Schwierige Wörter
- grenzübertritt — das Überschreiten einer Landesgrenze, um ein Land zu betreten
- intensivstation — Krankenhausabteilung für sehr kranke Patienten
- mindestlohn — gesetzlich festgelegter niedrigster Lohn für Vollzeitbeschäftigte
- xenophobie — Angst oder Ablehnung gegenüber Fremden
- stigmatisierung — soziale Abwertung oder Ausgrenzung einer Person
- staatsangehörigkeit — rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat
- solidarität — menschliche Hilfe und Unterstützung untereinander
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen kann ein deutlich niedrigeres Einkommen für eine Migrantenfamilie haben? Nenne Beispiele aus dem Text oder dem Alltag.
- Wie können Schutzprogramme wie die Temporary Protection Permit das Leben von Migrantinnen und Migranten verbessern? Welche Grenzen dieses Programms zeigt der Text?
- Welche Rolle spielen Menschen und Organisationen laut dem Text für das Zusammenleben von Einheimischen und Zugezogenen? Begründe deine Meinung.
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