Die Proteste im Iran zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 führten zu einer umfangreichen Internetabschaltung. NetBlocks bestätigte nach einem totalen Abschalten am 8. Januar einen nahezu vollständigen Zusammenbruch der Konnektivität. Zwar kehrte ab dem 23. Januar eine begrenzte Verbindung zurück, doch viele Dienste blieben auch am 23. Februar weiter eingeschränkt.
Filter Watch berichtete, die Behörden hätten auf ein Weißlisten‑Modell umgestellt: Das globale Internet ist demnach standardmäßig gesperrt, und nur genehmigte Ressourcen sind erreichbar. Metas WhatsApp war von Einschränkungen betroffen, weshalb ein Großteil der Nutzerinnen und Nutzer auf virtuelle private Netzwerke (VPNs) angewiesen ist. Amir Rashidi von Miaan Group schrieb, die Weißlisten würden inzwischen „auf Infrastrukturebene“ durchgesetzt: „Wie Sie sehen können, sind wir noch nicht vollständig mit dem Internet verbunden, und der begrenzte eingehende und ausgehende Verkehr ist vollständig das Ergebnis von Infrastruktur‑Ebene‑Whitelisting.“
Foreign Policy berichtete am 14. Januar, Russland habe dem Iran bei der Einführung einer strategisch gesteuerten Konnektivität geholfen, die auf Tiefenpaketinspektion (DPI) basiert, und nannte Quellen, nach denen Russland bereits Anfang 2020 mit DPI‑Inspektionspaketen begann. Protei, ein Unternehmen mit Hauptsitz in Jordanien und Wurzeln in St. Petersburg, wird als Unterstützer von Irans Abfang‑, Überwachungs‑ und Verkehrsmanagementbemühungen genannt; es ist aber unklar, auf welche Weise Protei konkret geholfen hat.
Auf Proteis inländischer Website und in einer Firmen‑PDF wird die DPI‑Plattform beschrieben. Die PDF erklärt: „Das PROTEI DPI‑System bietet umfangreiche Fähigkeiten, die zur Umsetzung von Zensur auf Netzwerkebene und zur Verkehrssteuerung verwendet werden können.“ Weiter heißt es, die Plattform könne Dienste identifizieren und selektiv blockieren, drosseln oder priorisieren sowie URL‑ und Domain‑Blacklists und ‑Whitelists unterstützen.
Untersuchungen und Firmenverflechtungen werfen zusätzliche Fragen auf:
- Citizen Lab fand 2023, dass Protei beim Aufbau eines mobilen Überwachungssystems für den Iran geholfen hatte und geleakte E‑Mails zeigten, dass Protei ausgewählt wurde, Kernnetz‑Komponenten an Ariantel zu liefern.
- Kommersant berichtete 2024 über ein Joint Venture zwischen Rostelecom und Protei; öffentlich gelistete STC Protei‑Eigentümer und Zahlen für 2022: Anton Pinchuk 28.56 Prozent; Yuri Kolobkov und Vladimir Freinkman jeweils 18.57 Prozent; Maxim Maslov und CEO Nina Apostolova jeweils 17.15 Prozent; Umsatz RUB 2.88 billion (USD 43 million); Nettogewinn RUB 398 million (USD 5.9 million).
Das Unternehmen unterhält weiterhin Niederlassungen in Estland und Jordanien und nennt Kunden wie MTN Irancell, Ariantel und mehrere regionale Telekombetreiber. Ob weitere Untersuchungen die Art der Lieferung oder Nutzung dieser Systeme verändern werden, ist noch unklar.
Schwierige Wörter
- weißlistenmodell — Modell, bei dem nur erlaubte Seiten zugänglich sindWeißlisten‑Modell
- konnektivität — Fähigkeit, online Verbindungen zwischen Netzgeräten herzustellen
- tiefenpaketinspektion — Technik, Datenpakete im Netzwerk zu prüfen
- virtuelles privates Netzwerk — gesicherte Verbindung über ein öffentliches Internetvirtuelle private Netzwerke
- drosseln — die Datenübertragungsrate eines Dienstes reduzieren
- überwachungssystem — Technische Anlage zur Beobachtung von Personen
- verkehrssteuerung — Maßnahmen, den Datenfluss in Netzwerken zu lenken
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie würden Internet‑Weißlisten im Alltag von Bürgerinnen und Bürgern sichtbar werden? Nenne Beispiele.
- Welche Folgen kann die Beteiligung ausländischer Firmen an Überwachungsinfrastruktur für Transparenz und Verantwortung haben?
- Welche Vorteile und Risiken haben VPNs, wenn Menschen sie in Ländern mit Internetabschaltungen nutzen?
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