Forscher der Global Burden of Crop Loss (GBCL) führen unregelmäßige Niederschläge, Überschwemmungen sowie biologische Bedrohungen als zentrale Treiber steigender Ernteverluste in Afrika an. Diese Verluste mindern Erträge, reduzieren die Einkommen von Bäuerinnen und Bauern und wirken sich auf nationale Nahrungsmittelbestände und globale Rohstoffmärkte aus.
Im westkenianischen Kimilili baut die Kleinbäuerin Salome Kibunde fünf Hektar und versorgt einen Haushalt mit neun Personen. 2025 erlaubte der Regen im März die Aussaat, verschwand dann aber fast zwei Wochen im April und störte die Keimung. Kurze Regenphasen blieben unzuverlässig, früh kehrte Trockenheit zurück und bei der Ernte führten zu hohe Niederschläge zum Verrotten des Mais. Kibunde berichtet, dass ihre Verluste von zwei Säcken verfaultem Mais auf etwa sechs Säcke stiegen.
In Nigeria haben Überschwemmungen laut Yunusa Halidu, Sekretär der All Farmers Association of Nigeria, in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen und sind in den vergangenen zwei Jahren zu einer der größten Herausforderungen geworden. Steigende Betriebskosten lassen wenigen Landwirtinnen und Landwirten Spielraum zum Gewinn, viele bleiben in der Landwirtschaft mangels Alternativen.
Komlavi Akpoti vom International Water Management Institute nennt regionale Folgen: Klimaschocks können die nationale Getreideproduktion in schlechten Jahren fast ein Drittel reduzieren, und rund ein Drittel der Kleinbauern erleidet Verluste in extrem trockenen oder nassen Jahreszeiten. Grundnahrungsmittel zeigen in starken Dürreperioden Ertragsrückgänge von etwa 5 bis 15 Prozent, und Kakaoprodukte in Ghana fallen in Dürrejahren um etwa 5 bis 7 Prozent. Studien in zwölf Ländern zeigen zudem erhebliche Schäden durch Schädlinge und Krankheiten; CABI-Forscher Edward Onkendi nennt jährliche Verluste durch Kartoffelzystennematoden von bis zu US$208 million und durch weiche Fäule (Pectobacteriaceae) von US$35 million, während der Kartoffelsektor der Subregion auf etwa US$500 million geschätzt wird.
Die GBCL-Modellierung zielt darauf ab, Orte und Treiber der Verluste zu kartieren, um gezielte Investitionen, Versicherungen und Frühmaßnahmen zu lenken. Tom Kirk von AbacusBio schätzt, dass allein die Verluste beim Mais 2022 fast US$200 billion betrugen, was etwa 40 Prozent der Maisproduktion entspricht, wobei die GBCL-Zahlen noch finalisiert werden. Forschende sehen als vorrangige Maßnahmen den Ausbau kleinräumiger Bewässerung, Wasserspeicherung, Kredite für resistente Saaten sowie bessere saisonale Daten, um Erträge zu stabilisieren und Lebensgrundlagen zu schützen.
Schwierige Wörter
- ernteverlust — Verminderte Menge geernteter landwirtschaftlicher Produkte.Ernteverluste
- niederschlag — Wasser, das als Regen oder Schnee fällt.Niederschläge
- überschwemmung — Wenn Wasser Flächen oder Orte überflutet.Überschwemmungen
- klimaschock — Starke, plötzliche Wetterereignisse durch Klimaänderung.Klimaschocks
- keimung — Prozess, bei dem Samen zu wachsen beginnt.
- verrotten — Zersetzen und schlecht werden organischer Stoffe.
- kleinbäuerin — Bäuerin mit kleinem landwirtschaftlichem Betrieb.
- bewässerung — Zuführung von Wasser zu Feldern und Pflanzen.
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Diskussionsfragen
- Welche Vorteile und Probleme könnte der Ausbau kleinräumiger Bewässerung für Kleinbäuerinnen wie Salome Kibunde haben?
- Wie könnten Versicherungen und Kredite Landwirtinnen und Landwirten helfen, mit zunehmenden Klimaschocks umzugehen?
- Welche Auswirkungen haben sinkende Erträge auf nationale Nahrungsmittelbestände und auf globale Rohstoffmärkte?
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