Neue Forschung, geleitet von Associate Professor William Chopik an der Michigan State University, untersuchte fast 1.000 Heranwachsende über zwei Monate. Die Teilnehmenden wurden dreimal zu belastenden Erfahrungen vor dem 18. Lebensjahr befragt. Bei jeder Erhebung gaben sie zugleich Informationen zur Qualität ihrer Beziehungen zu Eltern, Freundinnen und Freunden sowie zu romantischen Partnern.
Die Analyse zeigte, dass Berichte über Kindheitsbelastungen überwiegend stabil sind, aber innerhalb von acht Wochen bedeutsame Unterschiede auftreten. Der verlässlichste Prädiktor dieser Schwankungen war die Beziehungsqualität, insbesondere das elterliche Verhältnis: Wenn Menschen mehr Unterstützung und weniger Belastung durch die Eltern angaben als sonst, berichteten sie tendenziell über weniger belastende Erfahrungen, vor allem bei emotionaler Misshandlung, sexueller Misshandlung und Vernachlässigung. Chopik fasst zusammen, dass das Gedächtnis vergangene Erfahrungen mit aktueller Bedeutung verknüpft.
Die Forschenden empfehlen, belastende Kindheitserfahrungen nicht nur einmal, sondern mehrfach zu erfassen. Das soll die Nutzung dieser Angaben in Forschung und Klinik verbessern, etwa bei der Vorhersage psychischer Gesundheit und des Wohlbefindens. Die Studie erscheint in Child Abuse & Neglect (Quelle: Michigan State University; ursprünglich auf Futurity).
- Mehrfache Messungen statt Einzelabfrage
- Achtsamkeit für kleine Verschiebungen
- Beziehungsqualität als wichtiger Kontext
Schwierige Wörter
- forschung — systematische Untersuchung zu einem Thema
- Heranwachsende — Personen im Übergang von Kind zu Erwachsenem
- Erfahrung — Ereignis, das jemand erlebt hatErfahrungen
- Teilnehmende — Personen, die an einer Studie mitgemacht habenTeilnehmenden
- Prädiktor — Faktor, der eine zukünftige Veränderung vorhersagt
- Schwankung — kurze Veränderung oder Unterschied über ZeitSchwankungen
- Beziehungsqualität — Wie gut oder schlecht eine Beziehung ist
- Vernachlässigung — fehlende Fürsorge oder Aufmerksamkeit gegenüber Kindern
- Gedächtnis — Fähigkeit, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Warum ist es sinnvoll, belastende Erfahrungen in der Kindheit mehrfach statt nur einmal zu erfassen?
- Wie kann die Qualität von Beziehungen zu Eltern die Erinnerung an frühere belastende Erfahrungen beeinflussen?
- Welche Vorteile und praktischen Probleme sehen Sie bei mehrfachen Messungen in Forschung oder Klinik?
Verwandte Artikel
Warum Robben ihre Stimme steuern können
Neurowissenschaftler verglichen Gehirne von Robben und Kojoten und fanden einen direkten Nervenweg bei Robben, der bewusste Stimmkontrolle ermöglichen kann. Die Studie wurde in Science veröffentlicht und von Emory und New College of Florida geleitet.
Altersangst und schnellere biologische Alterung bei Frauen
Eine Studie fand bei Frauen einen Zusammenhang zwischen Angst vor dem Älterwerden und schnellerer biologischer Alterung. Besonders Sorgen um die eigene Gesundheit zeigten die stärkste Verbindung, weitere Forschung ist jedoch nötig.
Wenn Sterne von supermassiven Schwarzen Löchern zerrissen werden
Eine neue Studie erklärt, wie ein Stern, der zu nahe an ein supermassives Schwarzes Loch kommt, zu einem Trümmerstrom wird. Kollisionen und Akkretion erzeugen helle Aufblitze, die die ganze Galaxie kurz überstrahlen können.
Warum ein Ausrutscher die Diät meist nicht zerstört
Eine Übersicht in Nutrition Reviews erklärt, dass eine einzelne Schummelmahlzeit körperlich wenig langfristig ausrichtet. Psychologische Folgen wie Schuld oder Binge-Verhalten sind wichtiger, und geplante Flexibilität hilft vielen Menschen beim Abnehmen.