Am 12. April 2026 entschieden die Wählerinnen und Wähler in Ungarn über den Wechsel in der politischen Führung. Die Abstimmung wurde von außenpolitischen Themen dominiert: Ministerpräsident Viktor Orbán genoss öffentliche Unterstützung des US-Präsidenten Donald Trump und unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu Wladimir Putin. Kurz vor der Wahl reiste US-Vizepräsident J.D. Vance nach Budapest, und im Wahlkampf spielten Gerüchte über russische Gegenspionage sowie eine veröffentlichte Tonaufnahme des Außenministers Péter Szijjártó eine große Rolle bei der Diskussion über Ungarns Verhältnis zur EU und zu Russland.
Die Entscheidung stand zwischen FIDESZ, das das Land 16 Jahre regiert hatte, und der vor zwei Jahren gegründeten Partei TISZA. TISZA-Chef Péter Magyar trat als pro-europäischer Kandidat an und versprach, autoritäre Veränderungen an Institutionen wie der Justiz und den Medien rückgängig zu machen.
Die Wahlbeteiligung lag bei 79,5 Prozent. Die Wahllokale schlossen um 19 Uhr; gegen 21 Uhr schrieb Magyar, Orbán habe ihn angerufen und zu seinem Sieg gratuliert. TISZA gewann eine Zweidrittelmehrheit. Gegen 23 Uhr hielt Magyar eine längere Rede, in der er das Schließen politischer Gräben und institutionelle Reformen ankündigte. Er forderte den Rücktritt mehrerer langjähriger Amtsträger, darunter Präsident der Kúria, Präsident des Verfassungsgerichts, Generalstaatsanwalt, Präsident des Rechnungshofs, Präsident der Wettbewerbsbehörde, Präsident der Medienbehörde und Präsident des Nationalen Justizamts, und drängte Präsident Tamás Sulyok, die erste Sitzung der neuen Nationalversammlung so bald wie möglich einzuberufen.
Magyar kündigte außerdem die Einrichtung eines Nationalen Amtrückgewinnungsbüros an, das den Verbleib verlorener EU‑Mittel und allgemeine Korruption untersuchen soll. Nach der Bestätigung der Ergebnisse stärkte sich der ungarische Forint. Die öffentliche Reaktion blieb geteilt: etwa 30 Prozent der Wählerschaft schienen enttäuscht, während viele andere in Budapest feierten, umarmten, tanzten und weinten.
Schwierige Wörter
- außenpolitik — Politik eines Landes gegenüber anderen Staatenaußenpolitischen
- gegenspionage — Spionageabwehr gegen Aktivitäten ausländischer Geheimdienste
- zweidrittelmehrheit — Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen
- institution — Wichtige öffentliche Organisation oder BehördeInstitutionen
- generalstaatsanwalt — Leiter der Staatsanwaltschaft, klagt im Namen des Staates
- amtrückgewinnungsbüro — Behörde, die verlorene Gelder und Korruption prüft
- tonaufnahme — Aufzeichnung von gesprochenem Wort oder Ton
- wahlbeteiligung — Anteil der Stimmberechtigten, die an Wahlen teilnehmen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen könnten institutionelle Reformen für die Unabhängigkeit von Justiz und Medien haben?
- Wie könnten Ermittlungen zu verlorenen EU‑Mitteln die politische Stimmung in Ungarn verändern?
- Welche Rolle spielten ausländische Politiker und Kontakte im Wahlkampf, und wie bewerten Sie das?
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