Forschende berichten, dass mindestens zwei spezialisierte Neuronentypen im retrosplenialen Kortex über Millionen von Jahren der Evolution erhalten blieben. Diese Hirnregion unterstützt die Fähigkeit, den eigenen Standort zu bestimmen und zwischen bekannten Orten zu navigieren. Omar Ahmed, Associate Professor an der University of Michigan und Seniorautor der Studie, verglich den retrosplenialen Kortex mit einem unterbewussten GPS-System: Er enthält Neuronen, die berechnen, in welche Richtung man gehen muss. Die Region ist zudem aktiv, wenn Menschen sich in eine andere Zeit oder einen anderen Ort hineinversetzen, und sie gehört zu den ersten Regionen, die bei der Alzheimer-Krankheit betroffen sind.
In einer frühen Arbeit hatte das Team einen einzigartigen Neuronentyp bei Mäusen identifiziert. Die neue Studie, mit Erstautorin Isla Brooks, setzte KI-basierte Werkzeuge ein, um genetische Signaturen von Neuronen zwischen Mäusen und Ratten zu vergleichen. Trotz des großen evolutionären Abstands zeigten sich dieselben spezialisierten Typen; ein Typ war bei der Ratte leicht verstärkt. Die Forschenden entdeckten außerdem einen zweiten, offenbar ausschließlich im retrosplenialen Kortex vorkommenden Neuronentyp.
Die Autoren sehen in der Erhaltung dieser Neuronen einen Hinweis auf ihre Bedeutung fürs Überleben, weil sie Tieren helfen, nach Hause zu finden. Ahmeds Labor untersucht nun, ob dieselben spezialisierten Neuronen im menschlichen retrosplenialen Kortex existieren und wie sie sich bei der Alzheimer-Krankheit verändern. Ziel ist es, auf gezielte Therapien hinzuarbeiten, die die Neuronen reparieren könnten. Die Forschung erschien im Journal of Neuroscience und wurde von den National Institutes of Health sowie der Alzheimer’s Association gefördert. Quelle: University of Michigan.
Schwierige Wörter
- Kortex — Teil des Gehirns, zuständig für Raumorientierungretrosplenialen Kortex
- Neuronentyp — eine Gruppe von Neuronen mit gleicher FunktionNeuronentypen
- spezialisiert — auf eine konkrete Aufgabe angepasstspezialisierte, spezialisierten
- Evolution — langsamer Prozess von Veränderung bei Lebewesen
- Werkzeug — ein Mittel oder Gerät, um etwas zu tunKI-basierte Werkzeuge
- Signatur — charakteristisches Muster von genetischen Merkmalengenetische Signaturen
- betreffen — mit etwas in Verbindung stehen oder beeinflusst werdenbetroffen
- unterbewusst — nicht bewusst; automatisch im Denken oder Handelnunterbewussten
- Therapie — medizinische Behandlung für eine bestimmte KrankheitTherapien
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Vorteile könnten gezielte Therapien bringen, die die retrosplenialen Neuronen reparieren? Nenne mögliche positive und negative Folgen.
- Die Forschenden vergleichen Mäuse und Ratten. Warum ist es wichtig, ähnliche Neuronentypen in verschiedenen Arten zu finden? Welche Schlüsse lassen sich daraus für die menschliche Forschung ziehen?
Verwandte Artikel
Forscher identifizieren Hirnnetzwerk, das Parkinson‑Symptome trägt
Ein internationales Team entdeckt das somato‑kognitive Aktionsnetzwerk (SCAN) als zentral für Parkinson‑Symptome. Gezielte nichtinvasive Stimulation von SCAN verbesserte in ersten Studien die Symptome stärker als Stimulation benachbarter Bereiche.
Thalamus und molekulare Zeitgeber steuern Gedächtnis
Neue Studie zeigt, dass mehrere molekulare Zeitgeber in verschiedenen Hirnregionen, darunter der Thalamus, entscheiden, ob kurze Eindrücke zu langfristigen Erinnerungen werden. Das ersetzt die Vorstellung eines einfachen Ein‑Aus‑Schalters.
Wie Spitzmäuse im Winter ihr Gehirn verkleinern
Zwei neue Studien erklären das Dehnel-Phänomen bei der Eurasischen Spitzmaus (Sorex araneus): Gehirn und Organe schrumpfen im Winter, um Energie zu sparen, und wachsen im Frühling wieder. Forscher verknüpfen Genaktivität und Genomstruktur.