Forscherinnen und Forscher sichteten öffentlich zugängliche Informationen zu 24 Zeitschriften und mehr als 2,000 Mitgliedern der Redaktionsgremien zwischen Oktober 2024 und Dezember 2024. Die Analyse dokumentiert ein starkes Ungleichgewicht: Zwei Drittel der Gremienmitglieder wurden als Männer identifiziert; mehr als die Hälfte stammt aus Ländern mit hohem Einkommen, und weniger als 3 Prozent aus Ländern mit niedrigem Einkommen. Regionen, die stark von Tropenkrankheiten betroffen sind, sind deutlich unterrepräsentiert—Lateinamerika 16 Prozent, Subsahara-Afrika 11 Prozent, Südasien 10 Prozent und Nahe Osten/Nordafrika 3 Prozent.
Es zeigt sich eine geopolitische Lücke: 40 Prozent der Mitglieder kommen aus G7-Ländern und zwei Drittel aus G20-Staaten, während BRICS-Länder mit weniger als einem Viertel vertreten sind. Die Autorinnen und Autoren warnen, dass diese Muster die Bewertung von Forschung und die Sichtbarkeit einzelner Studien verzerren können, weil Herausgeber in wohlhabenden Ländern häufig darüber entscheiden, was veröffentlicht wird, auch bei Krankheiten, die vor allem ärmere Nationen betreffen.
Die Studie verknüpft das Redaktionsungleichgewicht mit Finanzierungsungleichheiten: Globale Geldgeber steuern 75 Prozent der direkten und 70 Prozent der indirekten Mittel für vernachlässigte Tropenkrankheiten an Institute in nicht-endemischen Ländern. Das kann zwar Infrastruktur in reicheren Ländern modernisieren, schreibt die Analyse, gleichzeitig aber koloniale Muster bei Probensammlung und Forschung fortschreiben. Etwa 85 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, doch ihre Stimmen bleiben bei Forschungsagenden oft marginalisiert.
Expertinnen und Experten beschrieben das Fach als von kolonialen Wurzeln geprägt und bezeichneten Herausgeber als Torwächter des Wissens; einige warnten, dass mangelnde Diversität lokale Probleme unsichtbar machen könne, andere begrüßten die Studie, weil sie ein zuvor vorwiegend spekulatives Problem quantifiziere. Ein Chefredakteur sagte, seine Zeitschrift habe die Beteiligung des Globalen Südens gefördert.
- Verbindliche Richtlinien zu Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion verabschieden
- Mentoring und gezielte Ausbildung für Forschende aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen schaffen
- Inklusive Sprachregelungen und transparente Rekrutierungen für Redaktionsgremien anwenden
- Partnerschaften aufbauen, um lokale redaktionelle Talente zu finden und Wissenschaftler dort zu finanzieren, wo Tropenkrankheiten vorkommen
Die Autorinnen und Autoren sagen, diese Schritte würden helfen, Forschungsprioritäten besser an den Bedürfnissen der am stärksten betroffenen Bevölkerungen auszurichten.
Schwierige Wörter
- redaktionsgremium — Gruppe von Personen, die eine Zeitschrift leitenRedaktionsgremien
- unterrepräsentiert — in einer Gruppe weniger vertreten als erwartet
- geopolitisch — mit internationalen Macht- und Interessenbeziehungen verbundengeopolitische
- verzerren — etwas ungenau oder unfair darstellen oder verändern
- kolonial — aus der Zeit von Kolonien stammend oder darauf bezogenkolonialen
- Torwächter — Personen, die entscheiden, welche Informationen veröffentlicht werden
- endemisch — in einer Region häufig vorkommend und dort dauerhaft vorhandennicht-endemischen
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Diskussionsfragen
- Welche Folgen kann die geringe Beteiligung des Globalen Südens in Redaktionsgremien für die Forschung zu Tropenkrankheiten haben?
- Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen (z. B. Mentoring, verbindliche Richtlinien, Partnerschaften) halten Sie für besonders wichtig und warum?
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