In Lateinamerika setzen Forschungsgruppen und Nichtregierungsorganisationen zunehmend generative Künstliche Intelligenz ein, um den Zugang zu Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit zu erweitern. In Peru entstand TeleNanu, ein Quechua‑sprachiger Chatbot, der mit einem fünfschrittigen Beratungsmodell arbeitet. Hebammen trainierten das System auf Basis von Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation, peruanischen Gesundheitsrichtlinien, begutachteter Fachliteratur und ihrer praktischen Erfahrung. TeleNanu verzeichnete im vergangenen Jahr mehr als 88.000 Anfragen in Quechua und Spanisch.
Die NGO APROPO stellte NOA vor, eine generative KI‑Plattform, die über WhatsApp, das Web und soziale Medien erreichbar ist. APROPO berichtet, NOA mit genauen lokalen und internationalen Daten trainiert zu haben. Gleichzeitig sind die Gesundheitsdaten in Peru problematisch: 2024 wurden mehr als 8.000 neue HIV‑Fälle gemeldet, junge Erwachsene in ihren 20ern waren am stärksten betroffen, und 12 Prozent aller Geburten entfielen auf Mütter im Alter zwischen zehn und 19 Jahren. APROPO hat das Ziel, bis 2026 etwa 100.000 Jugendliche zu erreichen.
Gleichzeitig untersuchen Forscherinnen und Forscher Risiken für Transpersonen. In Argentinien zeigte die Volkszählung 2022 fast 200.000 Menschen als transgender oder nicht‑binär, und ein Bericht von 2021 dokumentierte eine Lebenserwartung von 35–40 Jahren sowie hohe Diskriminierung in Gesundheitseinrichtungen. Das Zentrum CIECTI testete große Sprachmodelle und fand stigmatisierende Antworten sowie klinische Fehler, zum Beispiel die Verweigerung angemessener Verfahren je nachdem, ob eine Person als transgender oder cisgender identifiziert wurde. CIECTI entwickelte ein Werkzeug zur Bewertung solcher Schäden und plant, zusätzliche Daten einzubringen, um Verzerrungen zu verringern.
Expertinnen und Experten betonen die Notwendigkeit besserer Daten, Regulierung, öffentlich‑privater Koordination und Beteiligung der betroffenen Gemeinschaften. Zwischen 2023 und 2024 förderte CLIAS 15 KI‑Projekte und veröffentlichte einen Leitfaden für hochwertige Gesundheitsdatensätze. Forschende sagen, KI könne die sexuelle und reproduktive Gesundheit unterstützen, wenn Werkzeuge mit repräsentativen Informationen trainiert und mit rechtzeitiger menschlicher Aufsicht eingesetzt werden.
Schwierige Wörter
- generativ — auf Erzeugung neuer Inhalte durch ein Modellgenerative
- hebamme — Fachperson, die Frauen bei Geburt hilftHebammen
- leitlinie — offizielle Empfehlungen für medizinisches VorgehenLeitlinien
- verzerrung — systematische Fehler in Daten oder ErgebnissenVerzerrungen
- volkszählung — offizielle Zählung der Bevölkerung eines Landes
- stigmatisierend — abwertende Behandlung oder Darstellung von Personenstigmatisierende
- reproduktiv — auf Fortpflanzung und Schwangerschaft bezogenreproduktive
- repräsentativ — die Vielfalt einer Gruppe richtig widerspiegeltrepräsentativen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Vorteile und Risiken sehen Sie beim Einsatz generativer KI für sexuelle und reproduktive Gesundheit in Lateinamerika? Begründen Sie kurz.
- Wie könnte die Beteiligung betroffener Gemeinschaften helfen, Verzerrungen in KI‑Systemen zu verringern? Nennen Sie zwei Beispiele.
- Welche Maßnahmen sollten Regierungen und NGOs kombinieren, um laut dem Text KI sicher und verantwortungsvoll einzusetzen?
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