Eine neue Analyse aus der Women’s Health Initiative zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen kardiovaskulärem Risiko und Knochenbrüchen bei postmenopausalen Frauen. Die Studie, veröffentlicht in The Lancet Regional Health – Americas, nutzte den PREVENT-Score der American Heart Association, der 2024 für die Abschätzung des 10-Jahres-Risikos eingeführt wurde.
An mehr als 21.000 Teilnehmerinnen wurden vier Risikogruppen gebildet. Die stärkste Assoziation fand sich bei Hüftfrakturen: Frauen in der Hochrisikogruppe hatten ein um 93% erhöhtes Hüftrisiko gegenüber der Niedrigrisiko-Gruppe, die intermediäre Gruppe zeigte ein um 33% erhöhtes Risiko. Ein höheres kardiovaskuläres Risiko war auch mit mehr Frakturen an Wirbelsäule, Unterarm und Schulter verbunden, und der Zusammenhang erschien bei Frauen unter 65 Jahren stärker. Zudem lag die mittlere Zeit bis zur Hüftfraktur bei etwa 15 Jahren in der Hochrisikogruppe gegenüber fast 20 Jahren in der Niedrigrisiko-Gruppe.
Als mögliche Mechanismen nennen die Forschenden chronische Entzündung, oxidativen Stress, Veränderungen der Kalziumregulation, verminderte Knochen-Durchblutung durch Atherosklerose sowie hormonelle Veränderungen nach der Menopause, insbesondere abfallendes Östrogen.
- regelmäßige körperliche Aktivität
- ausgewogene Ernährung mit Kalzium und Vitamin D
- Nichtrauchen
- Kontrolle von Diabetes und Bluthochdruck
Erstautorin Rafeka Hossain zeigte sich überrascht vom Ausmaß des Hüftfrakturrisikos und betonte, dass Maßnahmen, die das Herz schützen, oft auch die Knochen schützen. Die Forschenden sagen, der PREVENT-Score könnte helfen, Patientinnen für Knochendichtemessungen oder Überweisungen an Spezialisten zu identifizieren, warnen aber, dass vor einer breiten Aufnahme in Frakturrisikoprüfungen noch weitere Arbeiten nötig sind. Quelle: Tulane University.
Schwierige Wörter
- kardiovaskulär — das Herz und die Blutgefäße betreffendkardiovaskulärem
- Assoziation — statistische Verbindung zwischen zwei Variablen
- Hüftfraktur — Bruch des Oberschenkelknochens im HüftbereichHüftfrakturen
- oxidativer Stress — Schädigung von Zellen durch reaktive Sauerstoffmoleküleoxidativen Stress
- Atherosklerose — Arterienverengung durch Ablagerungen in den Gefäßen
- Entzündung — Reaktion des Körpers auf Schaden oder Krankheit
- Knochendichtemessung — Untersuchung zur Messung der KnochenstärkeKnochendichtemessungen
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Diskussionsfragen
- Welche der genannten Präventionsmaßnahmen erscheinen Ihnen am wirkungsvollsten, um Herz und Knochen gleichzeitig zu schützen? Begründen Sie kurz.
- Sollte der PREVENT-Score routinemäßig genutzt werden, um Patientinnen für Knochendichtemessungen zu empfehlen? Nennen Sie mögliche Vor- und Nachteile.
- Warum könnte der Zusammenhang zwischen kardiovaskulärem Risiko und Frakturen bei Frauen unter 65 Jahren stärker wirken? Geben Sie mögliche Erklärungen.
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