Eine neue Studie der New York University untersucht ein bislang wenig beachtetes Thema: Altersdiskriminierung innerhalb von Familien. Stacey Gordon vom Center for Health and Aging Innovation (CHAI) und Ernest Gonzales leiteten die Forschung, die im Journal of Gerontological Social Work veröffentlicht wurde. Die Autorinnen und Autoren sehen familiäre Altersdiskriminierung als ein ernstes gesellschaftliches Problem, das in einigen Aspekten mit Rassismus und Sexismus vergleichbar ist.
Die Arbeit erklärt, dass Normen und Traditionen über Rollen älterer Menschen, negative Stereotype und falsche Annahmen beeinflussen, wie Angehörige handeln. Auch Geschwister sowie Freundinnen und Freunde können altersfeindliche Einstellungen weitergeben, ob beabsichtigt oder nicht. Ältere Menschen selbst können diese Vorstellungen verinnerlichen; die Forschenden beschreiben die Wirkung auf Familien als „heimtückisch und bisweilen toxisch“.
- Ursachen: gesellschaftliche Normen, Stereotype und falsche Glaubenssätze.
- Folgen: eingeschränkte Selbstbestimmung, weniger Macht und geringeres Selbstwertgefühl.
- Vorschläge: Reflexion in der Familie und gezielte Schritte gegen Stereotype.
Die Studie nennt konkrete Beispiele – etwa den Satz „Niemand über 75 sollte ein iPhone haben!“ – und betont zugleich positive Effekte, wenn Familien unterstützend handeln. Gordon schreibt: „Zu wissen, dass ein unterstützendes Familienmitglied präsent, verlässlich und beständig ist, ob nah oder fern,“ schreibt Gordon, „kann die Haltung und Erwartungen eines älteren Menschen zu seiner eigenen geistigen und körperlichen Gesundheit positiv beeinflussen und ihm zugleich ein Gefühl von Hoffnung und Kontrolle über seinen zukünftigen Alterungsverlauf geben.“ Frühere Arbeit von Gordon aus 2020 wurde mehr als 5,500 Mal heruntergeladen. Die Ergebnisse und Empfehlungen erschienen außerdem auf Futurity.
Schwierige Wörter
- Altersdiskriminierung — Benachteiligung wegen des Alters im Alltag
- verinnerlichen — Etwas tief annehmen und glauben
- toxisch — giftig oder schädlich für Beziehungen
- Selbstbestimmung — Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen
- Stereotype — vereinfachtes, oft falsches Bild von Gruppen
- Reflexion — Nachdenken über das eigene Verhalten
- unterstützend — jemandem Hilfe geben oder fördern
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche konkreten Schritte könnten Familien unternehmen, um altersfeindliche Stereotype zu reduzieren? Nenne zwei Beispiele und begründe kurz.
- Warum könnten ältere Menschen selbst altersfeindliche Vorstellungen verinnerlichen? Welche Folgen hat das für ihr Verhalten?
- Welche Rolle spielen Freundinnen, Freunde und Geschwister laut dem Text bei der Weitergabe von Einstellungen? Gib ein Beispiel aus dem Alltag.
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