Viele Menschen empfinden das Leben heute als unsicherer als früher; die Studie nennt dafür eine Pandemie, einen Krieg, eine Energiekrise und die Klimakatastrophe als Beispiele. In solchen Zeiten suchen viele Menschen nach klaren Antworten, und rechtspopulistische Bewegungen können diese Unsicherheit in Angst, Wut und schließlich in Stimmen verwandeln.
Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich untersuchten, ob sich die Sicht auf Unsicherheit ändern lässt, wenn Unsicherheit als Chance dargestellt wird. Dazu führten sie zwischen Dezember 2024 und März 2025 in Deutschland ein Experiment mit einer Versuchsgruppe und einer Kontrollgruppe durch. Beide Gruppen beantworteten dieselben Fragebögen; die Versuchsgruppe sah vor den Fragen eine kurze Präsentation mit 11 Folien. Die Folien zeigten Text, Grafiken, Fotos und wissenschaftlich belegte Beispiele für positive Effekte von Unsicherheit und enthielten Ausschnitte aus einer Abschlussrede von Steve Jobs an der Stanford University. Die Übung dauerte im Mittel 7,5 Minuten und wurde einmalig eingesetzt.
Die Studie fand vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen im Februar 2025 statt, die von Themen wie Einwanderung, Flüchtlingspolitik und Integration dominiert wurden und ein Klima politischer Unsicherheit schufen. Insgesamt nahmen 391 Personen an der Versuchsgruppe und 354 an der Kontrollgruppe teil; die Teilnehmenden waren 18 bis 80 Jahre alt und in Bildung, Geschlecht, Einkommen sowie sozialer und geografischer Herkunft repräsentativ für Deutschland.
Die ausgefüllten Fragebögen zeigten deutliche Unterschiede: Alle Hypothesen wurden bestätigt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatte die Versuchsgruppe positivere Einstellungen gegenüber sozialer Vielfalt, größere Unterstützung für sozialen Wandel und eine geringere Wahrscheinlichkeit, für die AfD zu stimmen. Studienleiterin Ruri Takizawa betonte die Beständigkeit des Effekts über mehr als einen Monat und schlug vor, die Methode mit angepasstem Design auch für Einstellungen zur Klimakrise oder zu neuen Technologien wie AI zu prüfen. ETH-Professorin Gudela Grote sieht darin einen Baustein zur Stärkung der Demokratie. Die Forschung erscheint in Personality and Social Psychology Bulletin. Quelle: ETH Zürich.
- Positivere Einstellungen gegenüber sozialer Vielfalt
- Größere Unterstützung für sozialen Wandel
- Geringere Wahrscheinlichkeit, für die AfD zu stimmen
Schwierige Wörter
- unsicherheit — Gefühl von Ungewissheit über die Zukunft
- rechtspopulistisch — Politische Bewegungen mit einfachen Lösungen und nationaler Rhetorikrechtspopulistische
- versuchsgruppe — Teilnehmergruppe, die eine Intervention erhält
- kontrollgruppe — Teilnehmergruppe ohne die getestete Intervention
- repräsentativ — So ausgewählt, dass die Gruppe die Bevölkerung widerspiegelt
- hypothese — Vermutete Ergebnisse, die man mit Daten prüftHypothesen
- beständigkeit — Dauer und Stabilität eines Effekts über Zeit
- vielfalt — Unterschiedliche soziale Gruppen in einer Gesellschaft
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie könnten politische oder gesellschaftliche Akteure die Idee nutzen, Unsicherheit als Chance darzustellen, ohne manipulativ zu wirken? Nennen Sie Gründe.
- Welche möglichen Risiken sehen Sie, wenn Unsicherheit bewusst positiv dargestellt wird? Geben Sie Beispiele aus aktuellen Themen.
- Die Studie schlägt vor, die Methode auch für Einstellungen zur Klimakrise oder zu neuen Technologien wie AI zu prüfen. Glauben Sie, dass ein ähnlicher Effekt dort möglich ist? Warum oder warum nicht?
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