Soziale Medien und ihre Teilen-Schaltflächen erleichtern das schnelle Verbreiten von Inhalten. Forschende warnen, dass Algorithmen oft sensationsstarke Beiträge fördern, die viele Teilungen erhalten, und dass dies die Verbreitung von Fehlinformationen begünstigt.
Ein Team der University of Copenhagen veröffentlichte eine Studie in der Fachzeitschrift npj Complexity. Doktorandin Laura Jahn und Professor Vincent F. Hendricks beschreiben im Artikel die Idee, das Teilen durch eine kurze digitale Verzögerung zu erschweren. In einem Computermodell, das Plattformen wie X, Bluesky und Mastodon nachbildet, senkte eine kleine Reibung die Anzahl der Teilungen, begrenzte aber nicht immer die Qualität der Inhalte.
Um sowohl Menge als auch Qualität zu beeinflussen, ergänzten die Forschenden das Modell um ein Lernelement. Ein Hinweisfenster mit kurzen Quizfragen soll Nutzerinnen und Nutzer zum Nachdenken bringen. Die nächste Aufgabe ist, die Maßnahmen in realen Umgebungen zu prüfen; wenn nötig nutzen die Forschenden simulierte Plattformen für Tests.
Schwierige Wörter
- schaltfläche — Knopf auf einer Webseite zum TeilenTeilen-Schaltflächen
- forschende — Personen, die wissenschaftlich arbeiten und forschen
- algorithmus — Regel oder Programm für automatische EntscheidungenAlgorithmen
- sensationsstark — Sehr aufregend oder dramatisch, oft ohne genaue Faktensensationsstarke
- fehlinformation — Falsche oder irreführende Informationen für die ÖffentlichkeitFehlinformationen
- reibung — Widerstand, der etwas langsamer oder schwieriger macht
- hinweisfenster — Kleines Fenster mit Informationen oder Fragen auf dem Bildschirm
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Würde eine kurze digitale Verzögerung beim Teilen Ihr Verhalten in sozialen Medien ändern? Warum oder warum nicht?
- Glauben Sie, dass ein Hinweisfenster mit Quizfragen Menschen wirklich zum Nachdenken bringt? Erklären Sie kurz.
- Welche Vorteile und Nachteile sehen Sie, wenn Forschende ihre Maßnahmen zuerst auf simulierten Plattformen testen?
Verwandte Artikel
KI benachteiligt Nicht‑Englischsprachige
Eine 2025 veröffentlichte Studie zeigt: Viele große Sprachmodelle liefern in anderen Sprachen schlechte Ergebnisse. Das benachteiligt Menschen ohne Englisch und hat technische sowie kulturelle Folgen, etwa fehlerhafte Ausgaben und unsichtbare Perspektiven.
Wie kleine Zellen große Gehirnnetzwerke formen
Eine Studie in Nature Communications verbindet Zell‑ und Molekül‑Daten mit fMRI‑Netzwerken. Forschende zeigen, dass biologische Merkmale auf Zellebene mit großräumigen Gehirnnetzwerken und damit mit Kognition und psychischen Erkrankungen verknüpft sind.
Neues biolumineszentes Werkzeug misst Aktivität in Gehirnzellen
Forscher entwickelten CaBLAM, ein biolumineszentes Molekül, das Aktivität in lebenden Gehirnzellen misst. Es erzeugt Licht in der Zelle, funktioniert bei Mäusen und Zebrafischen und erlaubt stundenlange Aufzeichnungen ohne äußere Beleuchtung.
Unsicherheit als Chance: Studie der ETH Zürich
Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich untersuchten, ob das Darstellen von Unsicherheit als Chance Einstellungen verändert. In Deutschland (Dezember 2024–März 2025) führte ein kurzes Experiment zu mehr Offenheit gegenüber Vielfalt und zu weniger AfD-Unterstützung.