Queere Filme in Aserbaidschan: Leben sichtbar machenCEFR B2
4. Dez. 2025
Adaptiert nach Adila Aghayeva, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Zulfugar Karimov, Unsplash
Aserbaidschan erlebt eine breite Debatte über queeres Leben, während staatliche Rhetorik und gesellschaftliche Ausgrenzung anhalten. Die systemische Ablehnung zeigt sich auch in Kunst und Kino, wo Queerness lange als Karikatur erschien. Die erste offen homosexuelle Figur im nationalen Film trat erst 2014 in My Name is Intigam von Emin Abdullayev auf. In der öffentlichen Debatte kritisieren Stimmen wie Ayaz Salayev eine vermeintliche "Propaganda" der Homosexualität im Kino, und Filmkritikerin Sevda Sultanova bemängelt Änderungen wie geschlechtsneutrale Preise auf Festivals.
Gleichzeitig entsteht eine neue, wenn auch kleine, Filmszene, die queere Erfahrung sichtbar macht. Extern produzierte Arbeiten wie All Monsters Are Human von Hugh Davies und Helen Spooner dokumentieren drei queere Aserbaidschanerinnen und Aserbaidschaner (Roma, Lady Cat, Lisa) und verknüpfen Interviews mit Animation, um Traumata sichtbar zu machen. Roma berichtet von sexuellem Übergriff und Polizeibrutalität; Lady Cat arbeitete als Sexarbeiterin, um zu überleben. Der Film rekonstruiert auch die Erinnerung an Kristina, eine trans Frau, die in Istanbul getötet wurde.
Weitere Werke kommen von lokalen Regisseurinnen und Regisseuren. Samad Ismayilovs Sebastian (2017) gilt als früher aktivistischer Kurzfilm. Vusala Hajiyeva nutzte persönliche Archive in Filmen von 2022 und 2024, und Miray Deniz untersuchte im Film Queer Destiny das Leben und die Tötung des 23-jährigen Aktivisten Avaz Hafizli, der am 22. Februar 2022 ermordet wurde; der Film dokumentiert Ausschluss von Freundinnen und Freunden vom Prozess, die Ignoranz gegenüber der Hassverbrechens-Dimension und die anschließende neuneinhalbjährige Strafe des Täters nach Druck durch Unterstützerinnen und Unterstützer.
Eine Recherche von QueerRadar ergab, dass zwischen 2013 und 2023 mindestens 15 LGBTQI+-Personen mit Waffen angegriffen und 12 getötet wurden; diese Zahlen sind vermutlich untererfasst wegen schlechter Ermittlungen und weil Hassverbrechen nicht als eigene Kategorie im nationalen Recht verankert sind. Unabhängig produzierte Filme beginnen, das jahrzehntelange Schweigen zu füllen, heteronormative Darstellungen in Frage zu stellen und eine queere Filmgeschichte zu konstruieren, die Fragen nach Zuhause, Zugehörigkeit und Überleben verhandelt.
- Themen: Trauma, Zuhause, Flucht.
- Formen: Kurzfilm, Dokumentation, Animation.
- Folgen: Sichtbarkeit und Debatten.
Schwierige Wörter
- systemische — auf das gesamte System bezogen, nicht nur einzelne Teile
- Ausgrenzung — das Ausschließen von Menschen aus einer Gruppe
- Traumata — seelische Verletzung durch eine schreckliche Erfahrung
- Hassverbrechen — Gewalt gegen Menschen wegen ihrer Identität
- untererfasst — nicht vollständig in Statistiken oder Daten gezählt werden
- heteronormative — Annahme, dass nur heterosexuelle Beziehungen normal sind
- Sichtbarkeit — Präsenz und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie können unabhängig produzierte Filme nach dem Artikel Sichtbarkeit und Debatten über queeres Leben verändern? Nenne Gründe oder Beispiele.
- Welche konkreten Probleme und Risiken für queere Menschen nennt der Text? Wie wirken sich diese auf das Leben Betroffener aus?
- Der Artikel erwähnt, dass Hassverbrechen nicht als eigene Kategorie im Recht verankert sind. Wie könnte eine gesetzliche Erfassung solcher Verbrechen die Situation verändern?
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