Eine genetische Untersuchung der University of Utah wertete anonymisierte Daten von mehr als 2.700 Menschen aus, die durch Suizid gestorben sind. Die Forschenden verglichen Personen mit früheren, nicht tödlichen suizidalen Gedanken oder Verhaltensweisen mit Personen ohne bekannte Vorgeschichte und fanden deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen.
Die Gruppe ohne zuvor bekannte Suizidalität wies seltener psychiatrische Diagnosen und ein geringeres genetisches Risiko für mehrere Krankheiten auf, darunter Major Depressive Disorder, Angststörungen, Alzheimer‑Krankheit und posttraumatische Belastungsstörung. Die Daten zeigten zudem, dass diese Personen nicht häufiger milde Merkmale wie depressive Verstimmung oder Neurotizismus als die Allgemeinbevölkerung hatten. Die Ergebnisse erschienen in JAMA Network Open.
Hilary Coon, Professorin für Psychiatrie an der Spencer Fox Eccles School of Medicine und Erstautorin, hebt hervor: "Es gibt viele Menschen, die möglicherweise suizidgefährdet sind, bei denen es nicht einfach darum geht, dass man übersehen hat, dass sie depressiv sind; sehr wahrscheinlich sind sie tatsächlich nicht depressiv." Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass eine Ausweitung der Depressionsscreenings allein nicht alle Gefährdeten identifizieren wird.
Das Team plant weitere Studien, um verdeckte Risikopersonen zu finden und Zusammenhänge mit chronischen Schmerzen, Entzündungen und Atemwegserkrankungen zu prüfen. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass einzelne genetische Effekte klein sind und Umwelt‑ sowie soziale Faktoren weiterhin eine wichtige Rolle spielen. In akuten Krisen steht die Hotline 988 rund um die Uhr zur Verfügung.
Schwierige Wörter
- anonymisieren — Persönliches durch Entfernen der Namen unkenntlich machenanonymisierte
- suizid — Absichtliches Beenden des eigenen Lebens
- Diagnose — Ärztliche Feststellung einer Krankheit oder StörungDiagnosen
- genetisch — Mit der Vererbung oder den Genen verbundengenetisches
- Neurotizismus — Persönlichkeitsmerkmal mit häufiger emotionaler Empfindlichkeit
- Depressionsscreening — Untersuchung zur Erkennung von depressiven SymptomenDepressionsscreenings
- posttraumatische Belastungsstörung — Starke Angststörung nach traumatischem Ereignis
- Erstautorin — Hauptautorin einer wissenschaftlichen Studie oder Arbeit
- Hotline — Telefonnummer für Hilfe in Notlagen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Warum könnten Depressionsscreenings allein nicht alle suizidgefährdeten Personen finden? Nennen Sie zwei mögliche Gründe, gestützt auf den Text.
- Welche Bedeutung haben genetische versus Umwelt- und soziale Faktoren laut Artikel? Diskutieren Sie kurz mit Beispielen aus dem Text.
- Welche Maßnahmen könnten Gesundheitsdienste zusätzlich zu Screenings ergreifen, um Personen ohne offensichtliche depressive Symptome zu erreichen?
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